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Lebst Du schon oder optimierst Du noch? — 1 Kommentar

  1. Liebe Melli, Dein Impuls zum Thema Optimierungswahn ist Dir super gelungen. Ich möchte noch beitragen, was der Mediziner, Psychologe und Soziologe A. Retzer dazu geschrieben hat (Danke an Sonja für den Buchtiipp!). Denn ich glaube es geht (auch hier) um Kulturfragen. Er schreibt, und das ist schon ein paar Jahre her und nichts Neues, aber er bringt es m.E. gut auf den Punkt. Begründet sich die von Dir beschreibene Angst vielleicht auch darin, nicht mehr alles mitzukriegen? Deshalb die Mühe, an vielem eben ein Stückchen zu partizipieren? Und haben Politiker dann leichtere Beute etwas zu versprechen, was sie später dann gar nicht einlösen brauchen, es erinnert sich ja keiner mehr so richtig dran, nehmen wir halt die nächste Option…

    „Die neue Zeitkultur hat den Simultanten hervorgebracht: einen Menschen, der die Dinge nicht nacheinander, sondern gleichzeitig tut und dessen wichtigstes Instrument das Handy und der Laptop ist. Aktiv rund um die Uhr, von zeitlichen und räumlichen Bindungen befreit, kann er gleichzeitig telefonieren, E-Mails lesen und den drucker bedienen. Man begegnet ihm unterwegs mit anrufbereitem Handy, Laptop und MP3-Player, wo er sich in den ICEs und auf Flughäfen während der Arbeit das Frühstück servieren lässt, mit seiner Freundin und danach mit seiner Frau telefoniert und am Abend auf der Rückreise sich gleichzeitig am Laptop zu schaffen macht, einen Tee trinkt, mit seiner Reisebegleiterin flirtet und seine kleine Tochter mit dem Handy zu Bett bringt. Multitasking hat fast in allen lebensbereichen Einzug gehalten: In der Esskultur, der Freizeitkultur, der Familienkultur und auch in der Liebeskultur setzt man auf die vielen Möglichkeiten der Erlebnisverdichtung. Man ist dabei gleichzeitig an- und abwesend, hier und dort, allein und in Gesellschaft.“

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