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Ich gönne Trump seinen Erfolg — 6 Kommentare

  1. …schöner Artikel, passt auch gut zur heutigen Großwetterlage. Erfolg ist auch eng damit verknüpft, Verantwortung zu übernehmen. Für das eigene Leben, für Andere oder für eine Sache.

    Die Lindner-FDP hat sich gestern dagegen entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Damit sind die Erfolgschancen unserer liberalen Partei für die laufende Wahlperiode bei Null. Ob Herr Lindner das im Hemd ohne Taschen einmal ebenso sehen wird?

  2. Danke für die tollen Anregungen, einmal über die Sache mit dem Erfolg nachzudenken. Sehr zu meinem Leidwesen wird Erfolg heutzutage viel zu oft mit materiellem Reichtum gleichgesetzt. Daher freue ich mich sehr über die Betrachtungen von Herrn Alschner. Vielleicht gefällt Ihnen ja auch meine Definition von Erfolg: Das, was entsteht, wenn man sein Bestes gibt, um eine Sache gut, gründlich und richtig zu machen. Was dabei herauskommt, birgt immer einen Erfolg in sich.

  3. Solange in dieser Gesellschaft Erfolg immer noch eher materiell als spirituell definiert wird, werden die meisten Leute als Gradmesser ihres Erfolgs auch eher ihr Bankkonto heranziehen anstatt ihr personelles Umfeld.

  4. Ein sehr gelungener Denkanstoß, danke, Uwe Alschner! Und eine gute allgemeine Definition für Erfolg: „Erfolg ist erreicht, wenn sich Anstrengung gelohnt hat.“ Besonders wertvoll auch die Anregung, dass jeder für sich von Zeit zu Zeit hinterfragen sollte, ob er „seinen Erfolg“ richtig definiert und an den eigenen Bedürfnissen, also nicht an den gängigen Klischees und Gesellschaftsnormen, misst. Nur bei der Schlussfolgerung, dass „man jedem Menschen seinen Erfolg gönnen sollte“, kann ich nicht mitgehen. Auch einem Terroristen, der akribisch einen Anschlag plant? Einem Trump, dessen Egomanie und Kalkül übelste Ausmaße annimmt? Einer Partei, welche sich bemüht, unsere Demokratie und freiheitliche Ordnung zu diffamieren und die am rechten Rand nach Wählerstimmen fischt? Nein – nicht mit mir! Ich lasse mir nicht einreden, dass meine Verweigerung jeglichen Respekts für solche Erfolge, also mein hier „nicht gönnen können“, mit negativen Worten wie Neid oder Missgunst zu benennen wäre. Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Widerstand und unser Verweigern von „Wohlwollen“ für solche Erfolge uns keiner Energie beraubt, sondern positive Energie in uns und für andere freisetzt.

    • Sehr spannend! Vielen Dank, Dieter, für diesen Einwurf! Er ist wichtig, weil er die tiefer liegende Frage beleuchtet, wie ich [jeder Mensch für sich] Sicherheit gewinnt, auf dem „richtigen“ Weg zu sein.
      Erste Grundannahme [im Artikel entwickelt]: diese Tür öffnet sich nach innen. Von außen lässt sich nicht festlegen, ob es echter Erfolg ist. Mutmaßen schon, aber be-urteilen? Ich meine, es gibt keine Instanz auf dieser Welt, die befugt wäre, das für mich [jeder Mensch] zu entscheiden. Es ist MEIN Leben!
      Bleibt jedoch die spannende Frage, wie gewinne ich Sicherheit, dass ich dem für mich „wahren, schönen, guten“ Erfolg auf der Spur bin. Und nicht etwa – ähnlich einem Durstenden in der Wüste – einer Fata Morgana, einer Illusion.
      Diese Frage ist für mich [jeden Menschen] wichtig, weil es natürlich auch „unechten“ Erfolg gibt. Folgen eigenen Tuns oder Unterlassens, die zu (später) Reue führen. Etwa weil irgendwann die Erkenntnis folgt, dass ich mich von Prinzipien habe (ver-)leiten lassen, die als falsch, verwerflich, asozial oder wie auch immer bezeichnet werden können, und die ich von AUSSEN übernommen habe. Die MIR EIGENTLICH (im tiefen Grund meines Herzens) nichts bedeutet haben.
      Bei der Betrachtung dieser Frage kommen wir (wie ich meine) auf eine, auf die metaphysische Ebene. Auf die Ebene der Rückbindung an das, was uns mit dem Ursprung verbindet, aus dem wir stammen, und mit dem wir verbunden bleiben, wie ein Kind immer mit der Mutter verbunden bleibt (auch mit dem Vater, aber um es nicht zu verkomplizieren, will ich diesen Gedanken hier nicht weiter ausführen).
      Es gibt eine nicht materiell definierte Ebene nicht nur für Erfolg, sondern auch für uns selbst als Mensch. Dort finden wir die Begründung für ethisch-moralische Prinzipien und Werte. Dort findet sich letztlich die Antwort auf die Sinnfrage. Man muss nicht religiös sein, um diese Ebene betrachten zu können, aber Religionen befassen sich ebenfalls damit.
      Um zur Ausgangsfrage zurück zu kommen:
      Es gibt gute Gründe, kritische Distanz zu dem zu bewahren, was andere für sich als Erfogsparameter propagieren (hier das Beispiel Trump, der tatsächlich sehr intensiv damit beschäftigt ist, seinen „Erfolg“ der Welt aufzudrücken, zu „verkaufen“. Er scheint sich mit Hingabe damit zu beschäftigen, was „man“ tun und lassen soll. Als Geschäftsman hat er das auf andere Weise betrieben als nun im ungleich machtvolleren Präsidentenamt, aber es scheint ihm wichtig zu sein, speziell seinen „Erfolg“ zum Maßstab zu machen.
      Ich respektiere das ebensowenig wie sie! Aber ich AKZEPTIERE es. Weil ich es nicht ändern kann. Und weil ich es nutzen kann, um mich selbst zu hinterfragen. „Ist das wichtig für mich? Möchte ich auch so sein [dieses oder jenes besitzen]? Was nehme ich mit, wenn ich ihn [oder etwas, bzw. jmd] beobachte?“
      Wenn ich mir Fragen dieser Art stelle, wird mir klar, was ich möchte, auch was ich nicht möchte. Das von Ihnen erwähnte Terroristenbeispiel ist ebenfalls geeignet, mir diese Unterscheidung zu ermöglichen. Ich kann der Unterscheidung praktisch nicht ausweichen: wie verhalte ich mich dazu? Diese Frage stellt sich mir. Wie sie sich möglicherweise auch Ihnen stellt. Natürlich lehne ich das ab!
      Allerdings bezweifle ich auch stark, dass es sich bei einer terroristischen Tat um etwas handelt, was dem „Täter“ im tiefen Sinne ein ERFOLGSERLEBNiS beschert. Ich bin überzeugt, dass da jemand einer Fata Morgana gefolgt ist. Einer schrecklichen Vorstellung von dem, wozu er seine Energie einsetzen solte. Einer perversen Illusion. Aber sehr wahrscheinlich keinem „Erfolg“ im tiefen, wahren Sinne. Nichts, was wirklich zählt.
      Hier tut sich ein kognitiv-emotionaler Konflikt in uns auf. Wir (ich) empfinden Unbehagen. Persönlich glaube ich, dass dieses Unbehagen aus dem Spannungsverhältnis herrührt, welches unsere Individualität und unsere gleichzeitige soziale Natur erzeugen und das unser Ego nicht auflösen kann: es geht auf dieser Welt offensichtlich um mehr als nur um uns alleine!

      Hier ist noch ein Vorschlag für eine Definition von Erfolg: wir sind dann erfolgreich, wenn wir es schaffen, unser Ego mit der Welt um uns herum zu versöhnen. Das Ego hat ganz natürliche Bedürfnisse. Aber diese Bedürfnisse sind (wahrscheinlich) nicht alles, was wirklich zählt!

      Nochmals vielen Dank für Ihren Impuls!

  5. Gerade lese ich ein Buch mit sehr, sehr klugen Ausführungen: „Die Komplexitätsfalle“ von Maria Pruckner. Und ich gehe komplett mit ihrer Definition von Erfolg:

    „Wahrer Erfolg ist immer die Folge eines Gelingens. Das Gelingen entscheidet man nie selbst, das entscheidet immer das System, um das es geht.“

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