Reden wir darüber – Laut sein ist nicht genug
Warum Meinungsfreiheit mehr braucht als Lautstärke
In den letzten Jahren ist politische Kommunikation in Deutschland härter geworden. Schneller. Lauter. Worte sind schärfer, Fronten klarer, Grautöne seltener. Gleichzeitig berufen sich viele auf dasselbe Grundrecht: Meinungsfreiheit. Für manche ist sie ein Schutzraum, für andere ein Kampfbegriff, für wieder andere etwas, das sich brüchig anfühlt. Dieser Beitrag von Sonja ist der Auftakt einer neuen Kampagne auf ohoo.
Es wird viel geredet derzeit. Wir posten, kommentieren, teilen, empören uns, stimmen zu oder ziehen uns zurück. Und trotzdem habe ich immer öfter das Gefühl: Wir reden aneinander vorbei. Mich beschäftigt das. Als jemand, der an Gespräche glaubt. An Sprache. An die Idee, dass Demokratie davon lebt, dass wir uns verständigen – auch dann, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.
Meinungsfreiheit ist ein großes Versprechen. Aber sie funktioniert nicht von allein. Sie braucht mehr als das Recht, etwas sagen zu dürfen. Sie braucht Verantwortung. Zuhören. Engagement. Und die Bereitschaft, auszuhalten, dass nicht alles sofort lösbar ist.
Bei ohoo erzählen wir seit jeher Geschichten über das, was gelingt. Über Menschen, die hinschauen, statt wegzusehen. Über Zuversicht, die nicht naiv ist. Über Menschen, die sich engagieren, statt auf andere zu warten. Genau deshalb möchten wir uns in den kommenden Wochen einem Thema widmen, das uns alle betrifft: Wie sprechen wir heute miteinander – und was bedeutet Meinungsfreiheit ganz konkret in unserem Alltag?
Dabei geht es uns nicht um Schlagabtausche, nicht um Rechthaberei und nicht um Parteipolitik. Uns interessiert das Dazwischen. Die Momente, in denen wir uns zurückhalten. Die Situationen, in denen Gespräche kippen. Die Fragen, bei denen wir unsicher sind, wie wir sie überhaupt stellen sollen.
Wir laden euch ein, Teil dieses Gesprächs zu werden.
- Wann hast du zuletzt gezögert, deine Meinung zu sagen?
- Wo erlebst du Meinungsfreiheit als stärkend – und wo als belastend?
- Was wünschst du dir für unseren gesellschaftlichen Ton?
Ihr könnt uns schreiben – persönlich, anonym, kurz oder ausführlich. Wir werden zuhören, sortieren, einordnen und ausgewählte Stimmen veröffentlichen. Nicht, um Antworten festzuschreiben, sondern um Räume zu öffnen.
Denn ich glaube:
Meinungsfreiheit ist kein Zustand. Sie ist eine tägliche Übung.
Und sie beginnt dort, wo wir bereit sind, respektvoll miteinander umzugehen und einander wirklich zuzuhören.
Reden wir darüber. Denn Laut sein ist nicht genug.