Joker der Zuwendung – so hilft Humor heilen

Über Klinikclowns und Humor-Workshops im Gesundheitswesen

Über LinkedIn ist Elke auf die Wissenschaftsjournalistin Verena Breitbach gestoßen. Sie ist seit 2021 Pressesprecherin der 2008 von Dr. Eckart von Hirschhausen gegründeten Stiftung HUMOR HILFT HEILEN. Die beiden kamen ins Gespräch, denn: Die Themen, für die HUMOR HILFT HEILEN steht, passen gut zu unserem Blog: Perspektivwechsel, gute Geschichten, „Good news“, Gesellschaftsgestaltung und Inspiration.

HUMOR HILFT HEILEN hat zum Ziel, die Humanmedizin menschlicher zu machen durch Klinikclown-Visiten für Patient*innen von jung bis alt, Humor-Workshops für Pflegefachkräfte sowie Humor-Begleitforschung. Im Sinne der Positiven Psychologie soll der Mensch wieder mehr im Zentrum stehen, wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Denn in einem Gesundheitswesen, was zunehmend unter Druck steht, bleiben bei allem technischen Fortschritt die menschlichen Begegnungen, die Zuwendung und die „Seelenhygiene“ essenzieller Teil der Heilung oder Begleitung – so das Leitmotiv der Stiftung.

Elke wollte mehr wissen. Nach zwei Telefonaten ist dieses Interview entstanden.

Lachen auf Augenhöhe – Klinikclowns kriegen das schnell hin.

Interview mit Verena Breitbach

Elke: Humor hilft heilen –  welches Argument, dass dem so ist, hat Dich am meisten überzeugt?

Verena Breitbach: Perspektivwechsel – ist eins der Themen, die uns bei HUMOR HILFT HEILEN, kurz HHH (sprich: Hahaha), tagtäglich beschäftigen. Ein Perspektivwechsel kann helfen, Situationen anders zu bewerten und damit „leichter“ und erträglicher zu machen.

Hast Du dafür ein Beispiel?

Karl Valentin sagte einst: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Will heißen: Die Freude hängt nicht vom Wetter ab, sondern von der eigenen Einstellung dazu. Ich kann mich über Unzulänglichkeiten, wie etwa schlechtes Wetter, aufregen, ich kann es aber auch sein lassen, und meine Haltung ändern, so dass meine Freude unabhängig davon ist, ob es regnet oder die Sonne scheint.

Diese Einstellung ist so essentiell …

Richtig. Und genau hier setzen wir mit unseren Humortrainings an. Humor als Haltung einzunehmen und Präsenz einüben, ist das, was man von unseren Clowns lernen kann. Sie sind zumeist ausgebildete Schauspieler und Klinikclowns und wissen, wie man sich auf Menschen und Situationen individuell einstellt. Sie klopfen an jede Zimmertür und schauen, was bei der jeweiligen Person und im aktuellen Moment „dran“ ist: Spiel und Spaß, Geschichten erzählen, Musik, miteinander singen oder einfach nur „da sein“. Die Clowns sind „Joker der Zuwendung“ und haben ein ganz feines Gespür für Situationen.

Die Perspektive ist soooo wichtig – und Kinderlachen ist in Kliniken essentiell.

Wie läuft so etwas konkret ab?

Unsere Klinikclowns besuchen Menschen jeden Lebensalters – von der Frühchenstation, über Kliniken und Pflegeheime bis hin zu Palliativstationen. Sie begleiten auch Kinder bis zum Operationssaal und sind für die sorgenvollen Eltern da. Zudem besuchen unsere Clowns Kinder auch auf digitalem Weg, etwa wenn diese auf Isolierstationen liegen.

Trotz aller damit verbundenen Herausforderungen zeigen unsere Clowns, wie bunt, überraschend und inspirierend der Alltag in den Einrichtungen sein kann – eben genau dann, wenn man sich auf Augenhöhe begegnet und einen anderen Blickwinkel zulässt und wenn Angst, Schmerz und Traurigkeit zeitweilig in den Hintergrund rücken und der Fokus auf andere Wahrnehmungen und Perspektiven gelenkt wird. Kurzweil, Lachen, Vertrauen und Fantasie fördern körperliches und seelisches Wohlbefinden, das stärkt ungemein.

Bekommt Ihr Feedback betroffener Familien?

Regelmäßig erreicht uns Feedback von positiven Erlebnissen und Geschichten von Begegnungen mit den Klinikclowns ­– von dankbaren Eltern, frohen Kindern, Pflegefachkräften, Ärzten und Einrichtungsleitungen.

Das motiviert sicher sehr?

Und wie! Denn das an den „dicken Brettern im Gesundheitswesen bohren“ ist nicht immer einfach …  „Noch“ gibt es Humor-Interventionen nicht auf Krankenschein. Zusammen mit vielen anderen Klinikclown-Organisationen und vor allem mit der European Federation of Healthcare Clown Organizations (efhco), dem europäischen Klinikclown-Verband, engagieren wir uns dafür, die Bedingungen für die professionelle Klinikclownerie zu verbessern und gemeinsame Richtlinien und Standards zu etablieren

Unsere Klinikclowns haben inzwischen in mehr als 12.500 Klinikclown-Visiten Kinder und Erwachsene erreicht.
Verena Breitbach, Wissenschaftsjournalistin aus Bonn

Wie vielen Menschen könnt Ihr jährlich Momente der Leichtigkeit schenken?

Aktuell sind für HHH 31 Klinikclowns in den Bundesländern NRW, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in insgesamt 22 Kliniken und Pflegeheimen im Einsatz. Unsere Klinikclowns haben inzwischen in mehr als 12.500 Klinikclown-Visiten Kinder und Erwachsene erreicht.

Was bietet die Stiftung über die Klinikclown-Visiten hinaus an?

Darüber hinaus bietet die Stiftung Workshops für Pflegefachkräfte an. Die so genannten Humor-Workshops stärken Pflegeteams. Es geht in den Seminaren darum, Präsenz einzuüben und eine gelassene, humorvolle Haltung zu trainieren.

Wie das?

Es werden keine Witze erzählt und niemand muss sich „zum Clown machen“, sondern es geht darum in heiterer Gelassenheit die jeweilige Situation anzunehmen und Brücken zwischen Menschen zu bauen. Zugleich hilft Humor dabei, die eigene Selbstfürsorge zu aktivieren. Die gute Nachricht: es funktioniert. In verschiedenen Studien, die HHH in Zusammenarbeit mit Hochschulen durchgeführt hat, konnte die Wirksamkeit belegt werden.

 

Perspektivwechsel helfen, Situationen „leichter“ und erträglicher zu machen.

Hast Du da ein paar Zahlen für uns?

Aktuell werden die Workshops bundesweit von ca. 25 Trainer*innen von HHH durchgeführt. In über 1.800 Humor-Workshops hat die Stiftung bisher über 25.000 Pflegefachkräfte erreicht und mehr als 2.500 Pflegeschüler psychologisch gestärkt. Darüber hinaus bietet die Stiftung ein Curriculum für Pflegeschulen, eine Weiterbildung für Praxisanleitende und Schulungen für pflegende Angehörige an. Zum Deutschen Pflegetag 2025 sind wir gemeinsam mit  dem Versicherer im Raum der Kirchen (vrk) mit dem Podcast „PflegeTacheles“ gestartet.

Es gibt sogar einen Podcast – er heißt: „PflegeTacheles“

Einen Podcast gibt es auch schon?

Ja. Darin zeigen wir praxisnah, fundiert und meinungsstark Best-Practices aus dem beruflichen Leben einer Pflegefachkraft auf: In der Aus- und Weiterbildung mit Petra Krause (Bethel) und Gerrit Krause (HECAMA), in der Politik mit Jürgen Graalmann („Die Brückenköpfe“), Katrin Staffler, der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, sowie mit Jasmin Arbabian-Vogel (Interkultureller Sozialdienst). Sie verrät, wie die Arbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Biografien gelingt. Hier geht’s zu PflegeTacheles

Wie kann man bei Euch mitmachen?

Wir suchen immer wieder für einzelne Projekte professionelle Klinikclowns – ausgebildete Schauspieler mit einer Klinikclown-Ausbildung. Die Ausschreibung findet man auf unserer Website und auf unseren Social Media-Kanälen (LinkedIn, Instagram und Facebook).

Vielen Dank für das Interview, liebe Verena! Und für die zur Verfügung gestellten Fotos!

Verena Breitbach: Bei HHH zuständig für Presse und Kommunikation

Über Verena Breitbach: Verena Breitbach ist ausgebildete Journalistin und studierte Gesellschafts- und Sozialwissenschaftlerin. Bevor sie Pressesprecherin der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN wurde, war sie Presseverantwortliche einer kleinen internationalen Universität mit den Schwerpunkten Ethik, Philosophie, Pflegewissenschaft und Theologie.

In Folge der Corona-Pandemie hat Verena Breitbach zwei Bücher zum Thema Gesellschaftsgestaltung bei Springer nature herausgegeben, die neben Analysen vor allem auch konstruktive Lösungsansätze anbieten und diskutieren: „Corona und die Pflege – Denkanstöße – die Corona-Krise und danach“ (2022) und „Die Welt im Wandel. Gesellschaft – Gesundheit – Pflege“ (2024).

Konstruktive Impulse für den Alltag, die Inspiration bieten und Mut machen:

  • Entspannung und Stressabbau:
    Humor kann helfen, Spannungen und Stress zu reduzieren.
  • Schmerzlinderung:
    Nachweislich setzt Humor Endorphine frei, lindert Schmerzen.
  • Emotionale Unterstützung:
    Humor erleichtert den Umgang mit Sorgen.
  • Förderung von Nähe und Vertrauen:
    Verbindender Humor baut Brücken zwischen Menschen.
  • Stärkung von Resilienz:
    Humor hilft, Leichtigkeit in schwere Situationen zu bringen.
  • Steigerung von Lebensqualität:
    Lachen fördert eine heitere Stimmung.
  • Unterstützung beim Loslassen:
    Humor unterstützt Perspektivwechsel.
  • Man kann die Stiftung mit Spenden unterstützen:
    Nur dank engagierter Spender können die Projekte fortgeführt werden.
  • Weitere Infos zur Stiftung:
    Der Spendenlink findet sich hier: www.humorhilftheilen.de
Elke Tonscheidt
Elke Tonscheidt, die selbsternannte Energiebündlerin, liebt und lebt in Köln. Neben ihrer Arbeit bei ohfamoos schreibt sie auch für andere Medien, besonders gern Porträts und Reportagen. Sie vernetzt sich gern, hat ein Start-Up mit gegründet und war einige Jahre in der politischen Kommunikation tätig.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 1. Februar 2026 veröffentlicht
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