Eine Kolumne über das Älterwerden ...

... und warum es dabei besser ist, nicht auszuleiern

Ich weiß noch genau, als meine Freundin Andrea aus Miesbach einmal sagte: „Dass man älter wird, merkt man daran, wie lange man bei der Eingabe seines Geburtsdatums runterscrollen muss.“ Damals habe ich herzlich gelacht. Heute scrolle ich noch länger 🙂 – und höre dazu meine Freundin Sonja sagen, wie wunderbar sich das Leben jenseits der Sechzig anfühlt.

Nun, wenn ich so weit bin, werde ich daran arbeiten, das dann auch so zu empfinden …

Wenn Freundinnen jetzt die magische 60 erreichen, frage ich mich eher: Wie macht sie das bloß?

Irgendwie wirkt der sechzigste Geburtstag in meinem Umfeld deutlich leiser als frühere Jubiläen. Auch ich selbst habe den 35. und den 40. noch groß gefeiert – zünftig in einem Münchner Gasthof, 5 Jahre später beim Libanesen in Schwabing. Selbst der 50. Geburtstag ging runter wie Öl, im Belgischen Viertel in Köln. Der 60. wird weniger doll gefeiert, oder?  Na ja, ich habe ja noch ein bisschen Zeit bis März 2027.

Der weiche Mann ü60

Was Falten betrifft, ist Elke entspannt – vor allem in der Hängematte

Neulich hatte ich mal einen Mann ü60 im Arm. Da fühlte ich vor allem eins: Weich war er. Als ich ihm das mitteilte, meinte er glatt: „War ich schon immer. Nivea.“ Sofort fiel mir meine Oma ein; sie hatte die blaue Dose geliebt und erstaunlich wenig Fältchen. Alt ist sie übrigens geworden – trotz eines Lebens, das ihr wenig schenkte.

Falten sind auch nicht mein Problem. Wahrscheinlich, weil ich kaum welche habe. (Danke, Gene!) Was mich nervt, ist das, was sich zwischen den Gelenken und im Alltag so versteift. Ungelenk wird man, körperlich, und manchmal auch gedanklich. Bewegung hilft, sagen alle. Und ja, ich mache mit – meistens. (Jenni, meine Yogalehrerin wird nicken 🙂 )

Und, liebe Sonja, den Flamingo Test bestehe ich locker, da ist also null Gefahr. Den Flamingo-Artikel findet Ihr hier.

Was mir wirklich Mühe macht: Menschen ü60, die stets rummeckern. Die grundsätzlich erstmal sagen: „Früher war alles besser.“ Gern mit dem Zusatz, dass man das ja wohl noch sagen dürfe. Es ist die Tonlage derer, die sich früher über ihre Eltern aufregten – und heute unbemerkt denselben Mist verzapfen. Teenager, denen das schnell zu viel wird, quittieren das trocken mit: „Wer gefragt hat …“

Wird man auch beim Essen alt?

Vielleicht nicht durch die Jahre, mehr aufgrund der Reaktionen des Körpers. Nachts noch den Kühlschrank plündern? Früher eine herrliche Vorstellung, gern auch in die Tat umgesetzt. Heute eher beängstigend … Wer spät isst, lebt gefährlich – oder öffnet in Hosen mit Knopf genau diesen.

Elke am Strand auf Saaremaa – die größte Insel Estlands. Da, wo Alter keine Rolle spielt :-)
Älterwerden hat auch viele Vorteile.

Mit 43 habe ich mein Kind bekommen. Rückblickend war das kein bisschen zu spät. Die Schwangerschaft? Großartig. Die Rolle vorwärts danach… sagen wir: von Jahr zu Jahr sportlicher. Und die Rückwärtsrolle im Spielzimmer mit 45 habe ich jedenfalls seitdem das letzte Mal gewagt😊

Und dennoch: Älterwerden hat Vorteile. Man wird klüger. Weniger enttäuschbar. Und ja – kompromissfähiger. Das sagen Freundinnen mit ein paar Jahren Vorsprung.

Man muss nicht mehr alles mitmachen. Man will auch nicht.

Aber Achtung: Zwischen „Ich will nicht mehr alles“ und „Ich kann nix mehr“ liegt nur ein bequemer Pulli. Den Satz „Ist doch egal, was ich anziehe, Hauptsache bequem“ kann ich deshalb nur bedingt unterstreichen …

Älterwerden heißt für mich: Balance halten

Zwischen dem, was man kann, und dem, was man noch will. Früh ins Bett? Gerne. Aber nicht, weil ich morgens um fünf wach bin. Sondern weil ich noch (oder wieder) wach bin – bei mir, im Leben, im Denken.

Elke mit Sohn in Vilnius, Sommer 2025

Und eines hilft immer, um nicht einzurosten: Kinder. Ob eigene oder geborgte – sie erinnern uns gnadenlos daran, wenn wir zu konservativ, zu bequem oder zu stur werden. Ja, sie nerven auch. Aber das haben sie schon, als ich im trauten Bonn-Duisdorf meine Magisterarbeit schrieb – und vom 2qm-Balkon aus die kreischende Nachbarsbrut anschnauzte.

Sich zu beschweren, macht alt. Und schwer.
Sich zu bewegen – innerlich wie äußerlich – macht leicht.

Und Altern? Ist nichts, wovor man Angst haben müsste.
Es sei denn, man hört auf, sich Mühe zu geben.

Älterwerden – für diese Dame war das kein Problem!

Dieses Foto von Jeanne Louise Calment ist gemeinfrei, das Urheberrecht abgelaufen. Quelle: Wikipedia

Abschließend noch der Hinweis auf Jeanne Louise Calment – die laut Wikipedia als französische Altersrekordlerin seit 1991 den Rekord des höchsten erreichten Lebensalters eines Menschen hält. Sie starb mit ganzen 122 Jahren und 164 Tagen (44.724 Tagen), das soll bis heute die am längsten validierte Lebensspanne sein.

Auf LinkedIn las ich jetzt die dieser Dame zugesprochenen Lebensregeln – wie wunderbar!

„Ich liebe den Wein.“
„Alle Babys sind schön.“
„Ich glaube, ich werde vor Lachen sterben.“
„Ich bin vom lieben Gott vergessen worden.“
„Ich habe nur eine Falte, und auf der sitze ich.“
„Ich trage nie Wimperntusche; ich lache oft, bis ich weine.“

Noch nicht genug? Dann lies weiter!

„Wenn du etwas nicht ändern kannst, mach dir keine Gedanken darüber.“
„Behalte immer dein Lächeln. So erkläre ich mir mein langes Leben.“
„Ich sehe schlecht, ich höre schlecht und ich fühle mich schlecht, aber alles ist in Ordnung.“
„Ich habe einen großen Lebenswillen und einen großen Appetit, vor allem auf Süßigkeiten.“
„Ich habe eiserne Beine, aber um ehrlich zu sein, fangen sie an zu rosten und knicken ein wenig ein.“
„Ich habe mich vergnügt, wenn ich konnte. Ich habe klar und moralisch und ohne Reue gehandelt. Ich bin sehr glücklich.“
„Jung zu sein ist ein Geisteszustand, er hängt nicht vom Körper ab. Ich bin eigentlich immer noch ein junges Mädchen, ich habe nur in den letzten 70 Jahren nicht mehr so gut ausgesehen“.

Eure Meinung zum Älterwerden würde mich brennend interessieren! Schreibt doch gern einen Kommentar, gleich hier und jetzt. Unsere Gastautorin Jeannette Hagen hat ihre Meinung vor ein paar Jahren auch schon mal in einem Beitrag aufgeschrieben, den Ihr hier lesen könnt.

Elke Tonscheidt
Elke Tonscheidt, die selbsternannte Energiebündlerin, liebt und lebt in Köln. Neben ihrer Arbeit bei ohfamoos schreibt sie auch für andere Medien, besonders gern Porträts und Reportagen. Sie vernetzt sich gern, hat ein Start-Up mit gegründet und war einige Jahre in der politischen Kommunikation tätig.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 17. August 2025 veröffentlicht
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Ein Kommentar zu “Eine Kolumne über das Älterwerden …”
  • Jörg

    Hallo Elke – mir gefällt die Selbsteinschätzung, dass sie eigentlich immer noch ein junges Mädchen ist ….
    Mein Blickwinkel ist ähnlich: Nicht auf das schauen, was nicht mehr geht sondern sich an dem Erfreuen, was alles noch geht. Von daher bin ich eigentlich auch noch jung.


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