Zusammenhalt ist kein Zufall:
Warum Unternehmen Verantwortung neu denken müssen
Was passiert, wenn ein Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung nicht als Zusatzaufgabe, sondern als festen Bestandteil seines Geschäftsmodells versteht? Die HuManS-Stiftung zeigt, wie wirtschaftlicher Erfolg, persönliches Engagement und soziale Wirkung zusammenfinden können. Geschäftsführerin Katja Mangold hat uns von ohoo berichtet, warum echter Zusammenhalt Nähe braucht – und weshalb Unternehmen heute mehr leisten müssen als symbolisches CSR.
Nach 36 Stunden Fahrt ist das Jugendmusikensemble aus dem ukrainischen Brody erschöpft in Dresden angekommen. Alle haben zum Frühstück Platz genommen. Unvermittelt stehen die Ukrainerinnen und Ukrainer gemeinsam auf und schweigen für eine Minute. Es ist neun Uhr – wie an jedem Tag gedenken sie zu dieser Zeit der Gefallenen. Auch Väter der jungen Musizierenden sind darunter, andere kämpfen an der Front. „Plötzlich war der Krieg ganz nah“, berichtet Katja. „Sie haben erzählt, dass sie alle zwei Tage ihre Proben unterbrechen müssen, weil Bombenalarm ist. Genau solche Momente sind es, die uns zeigen, worum es der Stiftung geht, und wieso gesellschaftliches Engagement mehr sein muss als ein Eintrag im Jahresbericht.“
Verantwortung als Teil des Geschäftsmodells
Die HuManS-Stiftung ist aus dem Heidelberger IT-Unternehmen HMS Analytical Software hervorgegangen und wurde im Jahr 2019 von Andreas, Katjas Mann, ins Leben gerufen. Ein fester Anteil des Unternehmensgewinns fließt direkt in die Stiftungsarbeit.
„Wir glauben, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt kein abstraktes Ideal ist“, sagt Katja. „Wirkung muss im Alltag spürbar sein, nicht nur in toll klingenden Leitbildern.“ Für sie ist dieser Ansatz konsequent gedacht: Wirtschaftlicher Erfolg schafft Spielräume, aber erst die Nutzung gibt ihm eine gesellschaftliche Dimension.
Die Stiftung setzt dabei auf Köpfe von HMS. Seit 2025 können alle Mitarbeitenden des IT-Unternehmens Pro-Bono-Zeit in soziale Projekte einbringen. Dafür werden sie zeitweise freigestellt und können ihr Wissen in einem neuen Kontext einsetzen. Die Idee dahinter: Fachliche Expertise soll gezielt dorthin fließen, wo sie gebraucht wird, nicht nur Geld.
Patenschaften für mehr Nähe
Die Projekte der Stiftungsarbeit werden von den HMS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern vorgeschlagen und begleitet. So gibt es für jedes geförderte Projekt jemanden, der dranbleibt und die Entwicklung verfolgt.
„Nähe“, sagt Katja, „bedeutet, Prozesse wirklich zu verstehen und gemeinsam weiterzuentwickeln.“ Auf diese Weise entsteht ein Austausch, von dem beide Seiten profitieren: Die Projekte erhalten Unterstützung, die Mitarbeitenden gewinnen neue Perspektiven. Engagement wird so zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenskultur.
In Kindergärten wie dem evangelischen „Am Buchenweg“ im badischen Weingarten etwa lernen Kinder mit der „Echte-Schätze“-Kiste des PETZE-Instituts, wie man Grenzen setzt und Nein sagt.
An der Schlosshof-Schule in Mörlenbach bauen Kinder gemeinsam ein Hochbeet und erleben dabei Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit. Beide Projekte hat die HuManS-Stiftung ermöglicht, beide werden von HMS-Mitarbeiterinnen begleitet.
Ein weiteres Beispiel ist die Ukrainehilfe der Stiftung. Der frühere HMS-Mitarbeiter Klaus Kepert fährt regelmäßig mit Hilfsgütern in die Ukraine – darunter Windeln, medizinisches Material, zuletzt auch ein Klavier aus dem Privatbesitz von Katja für die Musikschule in Brody. Nach einer Lieferung von Schulrucksäcken schrieb er: „Gestern habe ich das Kinderheim für benachteiligte Kinder besucht und Lernmaterial an alle Kinder verteilt. Das war ein sehr bewegender Tag.“
„Gesellschaft entsteht nicht irgendwo“, sagt Katja. „Sie entsteht zwischen uns, in konkreten Situationen, in denen Menschen miteinander in Kontakt treten.“
Projekte, die Verständigung ermöglichen
Was das bedeutet, zeigt sich in der Praxis. Im Oktober 2025 reisten 20 junge Musikerinnen und Musiker des ukrainischen Jugendensembles „Dominanta“ aus Brody nach Dresden, eingeladen vom Jugendsinfonieorchester des Heinrich-Schütz-Konservatoriums und der HuManS-Stiftung. Dies bedeutete eine Woche gemeinsamer Proben, Leben in Gastfamilien und schließlich ein Benefizkonzert in der Dresdner Kreuzkirche.
Svitlana Herasymchuk, die Leiterin des Ensembles, sagte danach: „Die Zusammenarbeit hat mir gezeigt, wie viel Verständnis entsteht, wenn Jugendliche aus verschiedenen Ländern gemeinsam musizieren. Man lernt, einander zuzuhören und über Unterschiede hinweg zusammenzufinden.“ Solche Erfahrungen sind kein Zufall. Sie entstehen, weil die Stiftung gezielt Räume dafür schafft.
Gesellschaftliche Ressource Dialogfähigkeit
Die Fähigkeit zum gegenseitigen Austausch steht unter Druck. „Polarisierung, einfache Antworten, wenig Zuhören, das erleben wir überall“, beschreibt Katja die aktuelle Situation. „Digitale Medien verstärken diesen Trend noch, weil sie Inhalte verkürzen und zuspitzen.“ Vor diesem Hintergrund würden Formate wichtiger, die das Gegenteil tun: zuhören und nachfragen.
„Wir unterstützen Projekte, in denen Menschen einander begegnen und auch unterschiedliche Perspektiven aushalten lernen“, sagt Katja.
Ein Beispiel dafür ist das „Internationale Schreibcafé“ in Dresden, das von HuManS gefördert wird. Der offene Treff bringt Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen zusammen, die gemeinsam schreiben und miteinander ins Gespräch kommen. Dabei entstehen kreative Texte in der jeweiligen Muttersprache. Übersetzungen ins Deutsche, Arabische, Farsi und Polnische helfen, das Geschriebene mit anderen zu teilen. Wer hier mitmacht, begegnet Perspektiven, die im Alltag oft unsichtbar bleiben.
Ähnlich funktioniert das Langzeitprojekt „Musaik – Grenzenlos musizieren“ in Dresden-Prohlis, das Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Lebensrealitäten zusammenführt. Aktuell wird eine Stadtteiloper einstudiert, welche unter dem Namen „Die Plattenspieler:innen“ augenzwinkernd auf den sozialen Brennpunkt Prohlis mit seinen vielen Plattenbauten verweist. In der Oper wirken 400 Laien, überwiegend Kinder, einige Erwachsene und Mitglieder der Staatskapelle Dresden mit. Musaik erhielt 2025 den Regine-Hildebrandt-Preis für gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Auch Katjas Mann Andreas engagiert sich für die Stärkung der Demokratie in Ostdeutschland. Als Vorstandsmitglied der „Aktion Zivilcourage“ setzt er sich dafür ein, jungen Menschen demokratische Bildung näherzubringen. Die Organisation gilt als anerkannter Träger der politischen Bildungsarbeit sowie der Kinder- und Jugendhilfe und steht für Beteiligung und Dialog in einer lebendigen Zivilgesellschaft.
Ein weiteres Zeichen ihrer Verbundenheit mit dem Osten setzt die HuManS-Stiftung mit der Verlegung ihres Sitzes von Heidelberg nach Dresden – bei unverändert starkem Engagement in Westdeutschland und weltweit.
Hilfe zur Selbsthilfe
Hinter jedem Projekt steht ein klarer Anspruch: Strukturen schaffen, die Menschen unabhängiger machen. „Für uns heißt das: nicht nur kurzfristig helfen, sondern langfristig stärken“, erklärt Katja.
Im südafrikanischen Godisang (Foto) unterstützt die Stiftung etwa ein Programm, das rund 260 Grundschulkindern ein warmes Mittagessen bietet sowie Förderunterricht, der ihre Chancen auf eine erfolgreiche Schulbildung erhöht.
Und in Kenia finanzierte die Stiftung für das Global Hope Center in Nairobi eine Maismühle, damit das Heim Maismehl produzieren und verkaufen kann, statt dauerhaft auf Spenden angewiesen zu sein.
Das Engagement in der Ukraine
Als Ende Januar 2026 die Stadt Brody in der Nähe von Lwiw angegriffen und ein Treibstofflager getroffen wurde, hatte dies direkte Folgen für die zivile Infrastruktur. Vielen Haushalten standen bei -20 °C nur etwa drei Stunden Strom pro Tag zur Verfügung. Hier finanzierte die HuManS-Stiftung Generatoren und Powerbatterien für Privathaushalte, damit Familien in Notlagen zumindest zeitweise Strom und Wärme hatten.
Was am Ende bleibt
Nach der Woche in Dresden hatten die ukrainischen Jugendlichen eine Frage. Sie wollten von ihren Gastgebern wissen: „Und wann besucht ihr uns in Brody?“. In diesem Satz steckt, was die Arbeit der Stiftung ausmacht: Hoffnung und Realität zugleich. Sicher ist jedoch, dass die Wirkung der Begegnung erheblich länger anhalten wird als sie das bis zum gemeinsamen Konzert tat.
Und Katja weiß auch: „Das muss gelernt und immer wieder neu eingeübt werden.“ Unternehmen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie verfügen über die Ressourcen, die Manpower und die entsprechenden Netzwerke.
Entscheidend ist dabei, gesellschaftliche Verantwortung als Teil der eigenen Identität zu betrachten.
Die HuManS-Stiftung wird von Menschen getragen, die sich mit Überzeugung für mehr Zusammenhalt und Hilfe zum Leben einsetzen. Das Team vereint unterschiedliche Kompetenzen mit dem Ziel, positive Veränderungen zu bewirken. Die Stiftungsprojekte sind das Herzstück von HuManS. Sie realisieren und begleiten langfristige Vorhaben, die Menschen stärken und die Gemeinschaft fördern. Wer entdecken möchte, wie die HuManS-Stiftung Ideen in greifbare Lösungen verwandelt, kann hier auf der Website nachschauen.