WM 2026 - ohne mich!

Warum ich die Fußball-WM 2026 boykottiere

Es ist wieder so weit: In den Supermärkten gibt es extra Stände mit Fähnchen in Schwarz-Rot-Gold, Bierdosen tragen die Flagge Deutschlands und WM-Schnickschnack ist allerorts erhältlich. Die Fußball WM 2026 startet und für Fußballfans ist Hochsaison. Für Sonja ist es genau das Gegenteil. Sie wird sich kein einziges Spiel ansehen. Nicht aus Desinteresse am Fußball, sondern weil sie nicht länger bereit ist, ein System zu unterstützen, das für Korruption, Profitgier und politische Doppelmoral steht.

Fußball war für mich lange mehr als nur ein Sport. Weltmeisterschaften waren Ereignisse, die Menschen zusammengebracht haben, die für einige Wochen den Alltag vergessen ließen und für gemeinsame Emotionen sorgten. Doch die diesjährige Fußball-WM werde ich bewusst nicht verfolgen. Kein Spiel, keine Zusammenfassungen, keine Public Viewings. Für mich ist der Boykott eine persönliche Konsequenz aus Entwicklungen, die ich seit Jahren kritisch beobachte.

Die FIFA hat den Fußball verkauft

Die FIFA präsentiert die Weltmeisterschaft gerne als Fest der Völkerverständigung und des Sports. In Wahrheit ist sie vor allem eines: eine milliardenschwere Gelddruckmaschine, ein gigantisches Geschäftsmodell. Sponsorenverträge, Fernsehrechte und Marketingkampagnen generieren Milliardenbeträge.

Seit Jahren reiht sich bei der FIFA ein Korruptionsskandal an den nächsten. Funktionäre wurden angeklagt, Vergabeprozesse hinterfragt und Entscheidungen getroffen, die oft mehr nach wirtschaftlichen Interessen als nach sportlicher Vernunft aussahen. Trotz dieser Vergangenheit inszeniert sich die FIFA weiterhin als moralische Instanz des Weltfußballs. Für mich ist das unglaubwürdig. Wer den Fußball liebt, sollte sich fragen, ob er dieses System wirklich noch mit seiner Aufmerksamkeit unterstützen möchte.

Natürlich kostet die Organisation eines solchen Turniers Geld. Doch die Dimensionen haben mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das viele Menschen entfremdet. Der Fußball, der einst als Volkssport galt, wirkt zunehmend wie ein Produkt, das möglichst gewinnbringend vermarktet werden soll. Für mich stellt sich daher die Frage, ob ich durch meine Aufmerksamkeit und Einschaltquoten ein System unterstützen möchte, das ich grundsätzlich kritisch sehe. Meine Antwort lautet: nein.

Die wirtschaftlichen Versprechen sind oft nichts als Marketing

Vor jeder Weltmeisterschaft werden die gleichen Versprechen gemacht: Wachstum, Arbeitsplätze, Investitionen und wirtschaftlicher Aufschwung. Die Realität sieht häufig deutlich nüchterner aus.

Schätzungen zufolge werden die FIFA und ihre Partner von der WM 2026 Einnahmen in Höhe von rund 17 Milliarden US-Dollar erzielen. Gleichzeitig wird der wirtschaftliche Nutzen für das Gastgeberland USA auf lediglich rund 0,05 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung geschätzt. (Quelle: Statista)

Laut Schätzungen der FIFA und der Welthandelsorganisation, soll die WM etwa 17 Milliarden US$ zum Bruttoinlandsprodukt der USA beitragen.

Diese Zahlen zeigen deutlich, wer am Ende wirklich profitiert. Die großen Gewinner sitzen in den Vorstandsetagen der FIFA und ihrer Sponsoren. Für die Bevölkerung bleiben vor allem hohe Kosten, Sicherheitsaufwendungen und ein kurzzeitiger wirtschaftlicher Effekt, der häufig weit hinter den vollmundigen Ankündigungen zurückbleibt.

Auch der oft beschworene Tourismusboom erscheint bei genauer Betrachtung fragwürdig. Die USA zählen bereits heute zu den meistbesuchten Ländern der Welt. Im Gegensatz zu kleineren oder weniger etablierten Tourismusmärkten – wie etwa Katar, das die Weltmeisterschaft 2022 ausrichtete – ziehen die USA bereits jedes Jahr zig Millionen internationale Besucher an, sodass das Turnier voraussichtlich keinen bedeutenden Zustrom von Erstbesuchern auslösen wird.

Die Realität ist deutlich weniger spektakulär als die Hochglanzbroschüren der Organisatoren.

WM 2026

Die USA als Gastgeberland senden das falsche Signal

Hinzu kommt die politische Dimension. Sport und Politik lassen sich nicht vollständig voneinander trennen, auch wenn Funktionäre dies gerne behaupten. Weltmeisterschaften werden immer wieder genutzt, um Gastgeberländer international in ein positives Licht zu rücken. Die USA präsentieren sich während der WM als weltoffener Gastgeber und Mittelpunkt eines globalen Sportfestes. Gleichzeitig sind sie in internationale Konflikte und militärische Auseinandersetzungen involviert und prägen wie kaum ein anderes Land die geopolitischen Spannungen unserer Zeit.

Natürlich kann eine Fußball-WM nicht für sämtliche Entscheidungen einer Regierung verantwortlich gemacht werden. Trotzdem halte ich es für legitim, die Frage zu stellen, ob Sportgroßereignisse nicht allzu oft dazu genutzt werden, politische Realitäten in den Hintergrund zu drängen und ein positives Image zu erzeugen.

Gerade deshalb vermisse ich klare Worte aus Deutschland. Von Politikern, Verbänden und auch von den Spielern selbst. Haltung wird heute häufig eingefordert – allerdings oft nur dann, wenn sie ins gewünschte politische Bild passt. Wer von Sportlern gesellschaftliches Engagement erwartet, sollte akzeptieren, dass sie sich auch zu anderen Themen äußern dürfen.

Fußballfans sind keine Kunden einer Marketingmaschine

Was mich besonders stört, ist die zunehmende Entfremdung zwischen dem Fußball und seinen Fans. Die Weltmeisterschaft war einmal ein Turnier der Emotionen, der Geschichten und der Leidenschaft. Heute wirkt sie zunehmend wie ein globales Unterhaltungsprodukt, optimiert für Sponsoren, Fernsehverträge und Werbekampagnen.

Fans sollen einschalten, konsumieren und begeistert sein. Kritische Fragen sind dabei unerwünscht. Doch genau diese Fragen müssen gestellt werden: Wer verdient an diesem Turnier? Wer profitiert wirklich? Und welche Werte werden dabei vertreten?

Mein persönlicher Boykott

Ich weiß, dass mein Boykott die FIFA nicht erschüttern wird. Die Stadien werden voll sein, die Fernseheinnahmen werden sprudeln und die Funktionäre werden ihre Rekordumsätze feiern.

Aber jeder Fan entscheidet selbst, was er unterstützt. Für mich ist die Grenze erreicht. Eine Organisation mit dieser Vergangenheit, ein Turnier mit dieser wirtschaftlichen Schieflage und ein Gastgeberland, dessen politische Rolle man zumindest kritisch hinterfragen darf, sind Gründe genug.

Deshalb werde ich die WM 2026 bewusst ignorieren.

Sonja Ohly
Sonja ist die schreibende Nomadin und Chefin vom Dienst bei ohfamoos. Die begeisterte Taucherin ist auf der ganzen Welt unterwegs und beschreibt gerne als Reiseblogger ihre Destinationen. Ebenfalls großes Interesse zeigt sie für Politik und engagiert sich als PR Tante probono für eine Demokratische Bürgerliste und den Sportverein in ihrer Heimatkommune.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 14. Juni 2026 veröffentlicht
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Die Kommentare zu “WM 2026 – ohne mich!”
  • Heiderose Moossen

    Liebe Sonja, seit mindestens 30 Jahren prangere ich die kollektive Dummheit der Menschen an, die mit Jahrestickets die Stadien und regionalen Vereine füllen, die wiederum weltweit die FIFA in immer schwerere Promiskuität führen. Gewollt von FIFA natürlich. Selbst in den ärmsten Ländern wird mit Jugendförderung und Arbeitsplätzen geprahlt, nur was dabei in die FIFA Kasse fließt, steht in keinem Verhältnis. Die Welt wird ausgebeutet und das hat mit Sport überhaupt nichts mehr zu tun. Ich finde Deinen Artikel wichtig und richtig, ebenso den Seitenhieb auf die Korruption USA‘s als Demokratische Weltmacht.
    Danke Dir 🥰 Heiderose

  • Rupert

    Many of us share your sentiments, thank you for ensuring we realise we are not alone in our thoughts.

    I will, with my terminal disease, when convenient, be watching from England, as for me this may be my final world sporting event!

    Corruption at the highest levels of government now takes place openly and is becoming accepted as the „norm“, when did our societies drop their moral and ethical leadership – Trump and his like are the result of decades of selfishness.


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