Drei Wochen Frankreich

Ein Vorurteil weniger im Gepäck

Es gibt Vorurteile, die halten sich hartnäckig. Eines davon lautet: Franzosen sind unfreundlich. Egal, ob es stimmt oder nicht, man übernimmt solche Aussagen eben irgendwann, weil sie jeder erzählt. Nach drei Wochen Urlaub in Frankreich räumt Sonja auf: Dieses Vorurteil gehört endgültig in die Schublade „Stimmt überhaupt nicht“.

Hand aufs Herz: Was fällt euch als Erstes ein, wenn ihr an Frankreich und die Franzosen denkt?

Baguette. Käse. Wein. Vielleicht noch das obligatorische Baskenmützchen. Und dann kommt ziemlich schnell dieses hartnäckige Vorurteil: „Die Franzosen sind unfreundlich.“ Es gibt Vorurteile, die halten sich so hartnäckig. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe. Aber nach meinem letzten Frankreich Urlaub muss ich wieder bestätigen, dass dieses Vorurteil einfach Blödsinn ist und nicht stimmt. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Ich war wieder einmal mit Freundinnen unterwegs. Eine Woche in der Champagne in Ay, Épernay und Reims, später in Orléans und schließlich im wunderschönen Périgord. Zu der Woche in der Champagne berichte ich noch ausführlicher und auch über meine Zeit im Perigord, auf den Spuren von Bruno, Chef de Police. Aber heute geht es um das Vorurteil gegenüber den Menschen in Frankreich.

In Frankreich

Man grüßt, wenn man sich begegnet

Schon am ersten Tag fiel mir auf, dass man in Frankreich eigentlich immer grüßt. Ich kenne das ja selbst noch aus meiner Kindheit. Mein Opa hat meinen Schwestern und mir das noch beigebracht. Man grüßt Menschen, wenn man ihnen begegnet. Und so ist das in Frankreich. Man grüßt, egal ob morgens beim Bäcker, beim Einkaufen oder abends im Restaurant. Nicht einfach nur dahingesagt, sondern mit einem Lächeln. Und man wird zurück gegrüßt. Oft sogar noch mit einem freundliches „Ça va?“. Was für ein Gegensatz zu Deutschland!

In den ersten Tagen hat mich das wirklich ein wenig überrascht, denn man ist diese Art der Kommunikation in Deutschland nicht gewohnt. Da zählt eher kurz und knapp.

Besonders begeistert haben mich unsere Restaurantbesuche. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft wir versuchten, mit ausgestrecktem Arm ein halbwegs vernünftiges Selfie hinzubekommen, bis plötzlich schon jemand vom Service neben uns stand und seine Hilfe anbot: „Soll ich ein Foto von euch machen?“ Einfach so. Ohne dass wir überhaupt gefragt hatten. Und dann erfuhren wir, dass er gerade viel fotografiert, weil er Papa geworden ist und sein Baby fotografiert. Und als sein Kollege vorbeikommt, machen die beiden ein Foto von sich. Welche wundervolle Unbeschwertheit 🙂

Auch in Frankreich war es heiß

Trotz des aktuellen Themas „Die große Hitze“ wurde gescherzt, gelacht und ein bisschen geplaudert. Man interessierte sich dafür, woher wir kommen, wohin unsere Reise noch geht und ob uns Frankreich gefällt. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass das aufgesetzt war. Im Gegenteil. Es wirkte ehrlich herzlich. Selbst in gut besuchten Restaurants nahm man sich diese paar Sekunden Zeit. Solche Kleinigkeiten bleiben hängen.

Vielleicht lag es auch daran, dass wir selbst versucht haben, nicht einfach auf Englisch loszulegen. Mein Französisch reicht zwar nicht gerade für tiefgründige Gespräche, aber nach ein paar Tagen klappte es mit der Verständigung auf Französisch schon ganz gut. Und es blieb nicht nur bei „Bonjour“, „Merci“ und „S’il vous plaît“. Und genau das wurde überall mit einem Lächeln belohnt.

Ganz oft wechselten die Franzosen anschließend ins Englische, wenn ich eine Antwort nicht gleich verstand. Nicht genervt, sondern fast ein bisschen stolz. Man merkte richtig, dass sie sich freuten, ihre Englischkenntnisse auszuprobieren. Aus dem angeblich so sprachstolzen Franzosen wurde für mich ein entspannter Gesprächspartner, der genauso Freude daran hatte, sich verständlich zu machen wie wir.

Irgendwann habe ich sogar angefangen, darauf zu achten, ob ich vielleicht doch einmal auf dieses berühmte französische Klischee stoßen würde. Aber ganz ehrlich? Es passierte einfach nicht. Ob in den Weinbergen der Champagne, in den verwinkelten Gassen von Sarlat oder auf den Plätzen von Bergerac und Périgueux – überall begegneten uns Menschen mit einem Lächeln.

Frankreich

Natürlich, Vorurteile gibt es überall. Die Franzosen sollen unfreundlich sein, die Deutschen humorlos, die Italiener immer zu spät und die Briten trinken den ganzen Tag Tee. Die Wahrheit ist aber viel einfacher: Man lernt ein Land nicht über Klischees kennen, sondern über Begegnungen. Und genau die haben diese drei Wochen in Frankreich so besonders gemacht.

Ich glaube inzwischen sogar, dass wir Deutschen uns manchmal selbst im Weg stehen. Wir betreten ein Geschäft, stellen direkt unsere Frage und wundern uns dann über die Reaktion. In Frankreich beginnt ein Gespräch eben mit einem „Bonjour“. Das ist keine leere Floskel, sondern Ausdruck von Respekt. Wer diesen kleinen Unterschied versteht, erlebt das Land wahrscheinlich gleich mit ganz anderen Augen.

Was ich aus diesen drei Wochen mitnehme, ist eigentlich ganz einfach: Freundlichkeit beginnt oft mit einer Kleinigkeit. Mit einem „Bonjour“, einem Lächeln oder einem ehrlichen Interesse am Gegenüber. Vielleicht funktioniert genau deshalb das Miteinander dort so angenehm. Man begegnet sich zunächst als Mensch und erst danach als Kunde oder Tourist. Mir wäre ein bisschen mehr Frankreich in Deutschland sehr recht.

Und jetzt: À bientôt

Elke und ich machen Sommerpause. Genießt die Zeit. Vergesst uns nicht. Aber Vorfreude ist ja bekanntlich die größte Freude. In ein paar Wochen geht es weiter. Dann erzähle ich euch von meinen Erfahrungen in der  Champagne!

Sonja Ohly
Sonja ist die schreibende Nomadin und Chefin vom Dienst bei ohfamoos. Die begeisterte Taucherin ist auf der ganzen Welt unterwegs und beschreibt gerne als Reiseblogger ihre Destinationen. Ebenfalls großes Interesse zeigt sie für Politik und engagiert sich als PR Tante probono für eine Demokratische Bürgerliste und den Sportverein in ihrer Heimatkommune.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 12. Juli 2026 veröffentlicht
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Ein Kommentar zu “Drei Wochen Frankreich”
  • Dirk

    Das freut mich sehr Sonja, dass ihr so viele positive Erlebnisse hattet und ja, die kleinen Dinge, wie die Tageszeit ansagen und ein wenig Interesse zeigen, ändern die Stimmung kolossal. Hier in Argentinien gang und gäbe und ich würde es nicht mehr anders haben wollen.

    Ich habe allerdings in Frankreich die Vorurteile betätigt bekommen. Le Garçon, der mich partout nicht verstehen wollte obwohl mein Französisch gar nicht so schlecht war. Aber das ist auch schon über 20 Jahre her und ich freue mich, dass es wohl nicht mehr so ist.


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