Nicht nur am Mischpult: Roman dreht auf
Roman Vogt präsentiert Musik und moderiert Hochzeiten
Von Sibirien nach Nordrhein-Westfalen sind es mehr als 5.000 Kilometer – und manchmal noch ein paar Umwege mehr, bis man dort ankommt, wo man eigentlich hin möchte. Roman Vogt wurde 1989 in Krasnojarsk geboren, derselben sibirischen Stadt, aus der auch Helene Fischer kommt. Mit 16 kam er als Spätaussiedler nach Deutschland, ohne Deutsch zu sprechen, machte eine Ausbildung und arbeitete später bei den Stadtwerken. Die Musik, die ihn schon als Kind begeistert hatte, ließ ihn trotzdem nie ganz los.

Heute ist Roman Vogt selbstständiger DJ und Hochzeitsmoderator, steht fast jedes Wochenende vor Menschen, legt auf, moderiert, singt und greift manchmal zur Gitarre. 2024 kündigte er dafür seinen sicheren Job. Elke hat mit ihm darüber gesprochen, warum Musik Menschen in Sekunden zurück in ihr eigenes Leben beamen kann, was ein Tamada mit seinem Beruf zu tun hat – und weshalb es manchmal tatsächlich nötig ist, das Glück ein wenig zu zwingen.
Roman Vogt im Interview mit Elke Tonscheidt
Elke: Schön, dass du hier bist, Roman. Lass uns über Deine Leidenschaften, die Musik und das Moderieren von Hochzeiten, sprechen.
Roman: Gerne, beides prägt mein Leben sehr …
Elke: … weshalb ich mehr darüber erfahren möchte. Du bist 1989 in Russland geboren, die ersten 15 Jahre dort aufgewachsen, bevor Du nach Deutschland kamst. Was erinnerst Du?
Roman: Viel Freizeit, lange Sommerferien, Motorrad und Musik. Es war eine tolle Zeit. Aber es war auch belastend – in Sibirien sieht man in jungen Jahren viel Leid. Das Klischee, dass sehr viel Alkohol getrunken wird, stimmt schon; ich habe z.B. mit 8 Jahren einen Onkel tot aufgefunden. Es ist ein härteres Leben.
Elke: War die Musik schon damals Dein Begleiter, vielleicht auch Trost?
Roman: Ja, die Musik begleitete mich immer. Seit ich mich erinnern kann, war sie bei mir. Ich habe das auch in Deutschland nicht abgelegt, obwohl ich hart arbeiten musste.
Elke: Du bist 2005 mit Deinen Eltern als klassische Spätaussiedler zu uns gekommen. Ich habe nachgeschaut: Deine Heimatstadt liegt über 4000km östlich von Moskau. Und von dort aus seid Ihr mit dem Bus nochmal 2 Tage bis nach Dortmund, dann weiter nach Hemer bei Iserlohn. Für einen 16jährigen Teenie alles sicher nicht einfach …
Roman: Ja, das alles ist weit, weit weg von hier, eine andere Welt fast. Und es war anfangs wirklich schrecklich. Ich habe kein Wort Deutsch gesprochen oder verstanden. Ich wollte unbedingt zurück zu meinen Freunden. Auf die Schule gehen durfte ich hier nicht. Stattdessen Deutschunterricht mit viel, viel Älteren. Ich fühlte mich völlig fremd.
Elke: Du hast dann viele Deutschkurse gemacht, richtig Gas gegeben, um die Sprache zu lernen, und eine Ausbildung begonnen, um Geld zu verdienen.
Roman: Genau. Die Eltern haben natürlich gesagt: „Roman, mach eine Ausbildung, das ist wichtig.“ Die Musik hab ich da erst mal abgelegt.
Elke: Und sie später wieder hervorgekramt!
Roman: Richtig, aber erst mal wurde ich Rohrnetzbauer, zum Schluss angestellt bei den Stadtwerken in Düsseldorf. Da hat man am Wochenende keine Kräfte mehr, noch etwas anderes zu machen.
Elke: Wie sehr hast Du in diesen Jahren die Musik vermisst? Du hast früh angefangen, Gitarre zu spielen und zu singen …
Roman: Sehr. Es gibt eine Erinnerung, die ich nie vergessen werde. Meine Mutter hat in einer Dorfdisco Tickets verkauft und ich durfte als kleiner Junge dabei sein. Mit sechs oder sieben Jahren konnte ich zuschauen, wie die DJs auflegen. Das waren Stars für mich!
Elke: Du wolltest eines Tages dazugehören?
Roman: Ja, ich sehe die Bilder immer noch vor mir. Diese Begeisterung für diesen Beruf.
Elke: Wann hast Du in NRW, wo Du bis heute lebst, die erste Schritte gemacht, deine Leidenschaft “aufzutauen”?
Roman: In einer Bar in Hemer. Da habe ich ganz klein angefangen und aufgelegt. Die kannte ich, weil ich die ersten Wochen in Deutschland dort bei meiner Tante gelebt habe. Da hat man mich gehört und weiterempfohlen. So kamen langsam die Aufträge rein. Es gab damals kein Instagram, Facebook fing gerade an. Alles lief über Mundpropaganda.
Elke: Und das Moderieren von Hochzeiten, wann begann das?
Roman: Erst vor 10 Jahren. Da kam die eigentlich gebuchte Hochzeits-Moderatorin zu spät, weil sie im Stau stand. Ich war als DJ da und musste spontan übernehmen.
Elke: Also Glück im Unglück für die Gäste …
Roman: Ja. Ich hatte keine andere Wahl. Ich habe das Mikro genommen und angefangen zu sprechen. Und ich merkte in dem Moment: Die Menschen hören mir zu. Es gab wirklich positives Feedback. Dann habe ich mir gedacht: Vielleicht sollte ich das auch mal versuchen.
Elke: Du hast mir erzählt, dass man in Deiner Heimat gern einen sogenannten Tamada engagiert. Jemanden, der durch den Abend führt, Programmpunkte ankündigt und die Gäste einbindet … Fühlst Du Dich als deutscher Tamada?
Roman: In der Tradition vielleicht ja, aber ich sehe mich mehr als Künstler, der die Gäste unterhält und ihnen Freude bringt. Am liebsten mache ich Musik und moderiere, das ist ein Gesamtkonzept.
Elke: Gibt es für Dich einen Moment in Deiner Karriere, den Du rückblickend als wegweisend bezeichnen würdest?
Roman: 2022 war besonders, da wollten alle heiraten. Die Coronazeit war endlich zuende, für uns Künstler ja besonders hart, weil alle Aufträge wegbrachen. Plötzlich war ich auf über 40 Hochzeiten engagiert. Neben meiner Arbeit bei den Stadtwerken. Aber 2024, das war richtig einschneidend.
Elke: Warum?
Roman: 2024 dachte ich mir: Jetzt oder nie. Jetzt musst du dich entscheiden. Weil das physisch auch nicht mehr ging. Es war eine enorme Doppelbelastung, ich hatte überhaupt keine Freizeit mehr. Ich musste unter der Woche arbeiten – und nach der Arbeit mich als DJ und Moderator vorbereiten.
Elke: Das heißt, du hast 2024 Deinen, wie sagt man so schön, “sicheren Job” gekündigt.
Roman: Genau, seitdem gibt es ein komplett anderes Lebensgefühl. Ich bin, erstmals unter der Woche, nach Sardinien geflogen, um dort als Moderator zu arbeiten.
Elke: Was ist Dein Markenzeichen, was kann Roman Vogt ganz besonders?
Roman: Ich sehe die Musik anders, ich sage: mit einem anderen Gefühl. Wenn ich auflege, versuche ich immer, mit den Songs eine Geschichte zu erzählen. Wenn ein Song läuft und zum Beispiel ein Gast zu mir kommt und sagt: „Da warst du noch gar nicht auf der Welt, als der Song rauskam“, und er ist so glücklich und tanzt, dann denke ich mir: Jetzt hast du alles richtig gemacht. So muss das weitergehen. Lieder erzählen ja immer eine Geschichte. Sie beamen uns zurück. Und das ist mein Ziel. Das versuche ich mit der Musik zu erreichen.
Elke: Du legst besonders gern Musik aus den 80er Jahren auf …
Roman: Das stimmt, und auch hier sehe ich die Songs anders, Du musst bedenken: Vor allem die deutschen Songs kannte ich früher nicht, als ich in Russland war. Für mich sind die quasi neu. Und wenn ich sie auflege, dann muss ich nicht so tun, als ob ich sie mag. Ich mag die tatsächlich. Und dann tanze ich auch gerne dazu.
Elke: Du feierst mit, das ist mir aufgefallen, als ich Dich auf einer Party kennenlernte. Du stehst nicht außen vor, Du integrierst Dich quasi in die Feier.
Roman: Ja, das spiegeln mir viele Gäste und das macht mich glücklich, weil das Authentische offenbar gut ankommt. Ich habe selbst wirklich Spaß dabei. Wenn das rüberkommt: Wie wunderbar. Was ich zusätzlich sehr gerne mag, ist meine Gitarre. Auf einer Feier hole ich sie, wenn es passt, raus und singe ein paar Lieder. Wenn es dann immer leiser, richtig still wird und mir alle zuhören, dann weiß ich: Das kommt gut an. Das will ich ausbauen.
Elke: Wenn du an den schönsten Moment denkst, den du auf einer Hochzeit für dich persönlich erlebst, welcher ist das?
Roman: Das sind wirklich meistens die Gespräche danach, wenn ich mit den Kunden spreche und die mir sagen: „Mann, du bist einfach unsere beste Entscheidung gewesen.“ Das motiviert, das bedeutet mir wirklich viel. Oder Sätze wie: „Ich weiß nicht, wie du das machst. Aber es ist einfach toll. Ich gehe jetzt mit so einem schönen Gefühl nach Hause.“ Dann stehe ich da und strahle einfach.
Elke: Lernt man bei deiner Tätigkeit auch etwas über das Glück im Leben?
Roman: Ja. Dass Glück keine Selbstverständlichkeit ist. Das muss man schätzen, wenn man es hat. Und da fällt mir der Lindenberg-Song ein: „Manchmal musst du das Glück auch zwingen.“ Das ist einfach eine perfekte Beschreibung. Wenn man es hat, dann muss man es pflegen, hegen. Und das versuche ich auch. Und wenn ich Menschen glücklich machen kann, dann ist das das Beste, was mir passieren kann.

Elke: Du bist fast an jedem Wochenende unterwegs, unter der Woche schreibst Du Reden oder Moderationen, trittst dafür auch vorher schon in Kontakt mit den Leuten.
Roman: Genau. Der Kontakt ist mir sehr wichtig. Ich möchte die Menschen kennenlernen. Um am Hochzeitstag, als Beispiel, eine gute Geschichte zu erzählen, telefoniere mit dem Brautpaar vorab, schreibe dann auf, was ich sagen will. Die Vorbereitung ist intensiv, das muss sitzen.
Elke: Abschließend nochmal zu Deinem Geburtsort: Du bist ja in der Stadt geboren, Krasnojarsk, aus der auch ein Weltstar kommt: Helene Fischer. Ist das für dich ein Ansporn?
Roman: Es ist einfach sehr interessant, dass zwei Menschen, die jetzt in Deutschland leben, aus einer Stadt kommen und in die gleiche Richtung gehen.
Elke: Eure Wege haben sich nie gekreuzt, hast Du mal ein Konzert von ihr gesehen?
Roman: Noch nicht. Aber das wäre mal was!
Auf der Website von Roman Vogt schreibt er über sich selbst: „Ich bin nicht nur jemand mit einem Mikrofon – ich habe ein Gespür für den Raum. Ich spüre den Rhythmus.“ Wer Roman einen Abend erlebt hat, weiß: Das ist eine gute Beschreibung. Es gibt DJs, die machen Spitzen-Musik, und solche, die sich darüber hinaus mit einbringen als Mensch. Roman Vogt gehört dazu. Wer mehr von ihm sehen möchte, kann das auf seinem Insta-Profil machen.
Dass er auch selbst Musik macht, hat er bereits im Interview erzählt. Er spielt Gitarre (brachte ihm sein Vater bei, als er 12 Jahre alt war), produziert jedoch auch selbst Songs. Hier bekommt Ihr eine Kostprobe davon.