Pink October: Warum Brustkrebs uns alle angeht!

weniger Schleifen, mehr hinschauen

Rosa Schleifen, rosa T-Shirts, rosa Herzen, rosa Bänder und natürlich jede Menge Veranstaltungen rund um Brustkrebs. Manchmal fragt sich Sonja, ob wir nicht Gefahr laufen, dass aus einem sehr ernsten Thema irgendwann nur ein hübsches Oktober-Ritual wird. Dabei geht es um viel mehr als um die Farbe Pink.

Es geht um Frauen. Um Männer übrigens auch. Um Mütter, Töchter, Schwestern, Freundinnen, Partnerinnen. Um Angst, Hoffnung, Warten, Diagnosen, Therapien und manchmal auch um Abschied. Und vor allem geht es um etwas, das ich inzwischen sehr ernst nehme: hinzuschauen, sich untersuchen zu lassen und nicht darauf zu hoffen, dass schon alles gut sein wird.

Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich das Leben verändern kann, wenn plötzlich das Wort Krebs im Raum steht.

Mit 23 plötzlich: Brustkrebs?

Ich war 23 Jahre alt und gerade Mutter meines zweiten Sohnes geworden, als bei mir Brustkrebs diagnostiziert wurde. Ich glaube, es gibt kaum einen Satz, der eine junge Frau mehr aus der Bahn werfen kann. Ich hatte zwei kleine Kinder. Mein Leben lag eigentlich gerade erst vor mir. Und plötzlich sollte ich mich mit einer Krankheit auseinandersetzen, die damals für mich vor allem eines bedeutete: Angst.

Dank dem Rat meiner Freundin Bettina, damals Medizinstudentin, die mich zu dieser Zeit gerade in Sharjah besuchte, ging ich nach Deutschland und holte mir zwei zusätzliche Diagnosen. Sechs Wochen, in denen sich wahrscheinlich jede Frau dieselben Fragen stellt: Was passiert jetzt? Wie geht es weiter? Was wird aus meinen Kindern? Werde ich sie aufwachsen sehen?

Dann kam die Nachricht, die mein Leben wieder auf den Kopf stellte. Diesmal allerdings im positiven Sinne: Kein Krebs, aber eine Operation war nötig. Was für eine Erleichterung!

Aber etwas blieb. Nämlich das Bewusstsein dafür, was diese sechs Wochen mit einer Frau machen. Was eine Diagnose, oder auch nur der Verdacht, psychisch bedeutet. Und wie sehr sich das Leben plötzlich verändert, wenn die eigene Gesundheit nicht mehr selbstverständlich ist. Das ist einer der Gründe, warum mich Brustkrebs bis heute so beschäftigt.

Meine beste Freundin und acht Jahre Hoffnung

Meine beste Freundin und Geschäftspartnerin bekam 2010 eine palliative Brustkrebsdiagnose. Und trotzdem lebte sie noch acht Jahre. Für mich war das damals ein unglaubliches Beispiel dafür, was moderne Medizin inzwischen leisten kann. Palliativ bedeutet eben nicht automatisch: „Jetzt ist alles vorbei.“ Es kann auch bedeuten: Wir behandeln. Wir kontrollieren und gewinnen Zeit. Dadurch schaffen wir die so dringend nötige Lebensqualität. Manchmal kann aus einer Prognose, die zunächst erschreckend klingt, noch eine lange gemeinsame Zeit werden. Bei uns war das, worüber ich bis heute dankbar bin, genau so.

Diese acht Jahre haben mir sehr deutlich gezeigt, dass Krebs keine einfache Geschichte mit Anfang, Diagnose und Ende ist. Es gibt ganz unterschiedliche Krebsarten, Tumorbiologien, Therapien und Verläufe. Und die Medizin entwickelt sich ständig weiter. Mir macht das Hoffnung.

Meine Freundin, Mentorin und Geschäftspartnerin Eiluned Castree und ich bei einem Interview

Brustkrebs ist weltweit noch immer eine riesige Herausforderung

Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Nach den neuesten Schätzungen der International Agency for Research on Cancer (IARC) wurden 2024 rund 2,43 Millionen Frauen weltweit neu mit Brustkrebs diagnostiziert. Rund 700.000 Menschen starben im selben Jahr an der Erkrankung. Brustkrebs ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen weltweit. Und trotzdem gibt es etwas, das ich viel lieber in den Vordergrund stellen möchte.

Früherkennung kann Leben retten!

Denn je früher ein Brustkrebs erkannt wird, desto größer sind in vielen Fällen die Behandlungsmöglichkeiten und die Chancen auf Heilung. Die WHO betont deshalb ausdrücklich die Bedeutung einer frühen Diagnose in Verbindung mit einer geeigneten Therapie und Nachsorge. Und genau hier setzt Pink October an. Nicht mit Angst, sondern mit Aufmerksamkeit.

Ich habe im Laufe der Jahre selbst erlebt, wie viel Energie und Engagement rund um dieses Thema in Dubai und den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten entstehen.

Brustkrebsprävention hoch zu Ross

Wenn es um Aufmerksamkeit geht, dann fällt mit sofort Pink Caravan ein, eine Initiative in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die inzwischen zu einer wichtigen Institution geworden ist.

Gestartet von meiner englischen Reitlehrerin in den 90er Jahren, gehört die Initiative jetzt zu einem festen Bestandteil der Krebsvorsorge. Reiten für einen guten Zweck. Das Besondere an Pink Caravan ist, dass sie nicht darauf wartet, dass Menschen in ein Krankenhaus gehen, sondern dass sie mobile Screening Units fördert, die auch in abgelegene Dörfer fahren und dort Aufklärung und Untersuchungsmöglichkeiten bietet.

Mein Sohn Fahim, in der Mitte, bei der Aktion Pink Caravan. In den VAE engagieren sich auch Männer.

Pink October in Dubai

Oder das Benefiz-Golfturnier im Montgomerie Golf Club, an dem ich diesen Oktober teilgenommen habe. Dabei ging es nicht einfach nur darum, einen schönen Tag auf dem Golfplatz zu haben, sondern um das gemeinsame Engagement für eine wichtige Sache.

Solche Veranstaltungen können natürlich keine medizinische Behandlung ersetzen. Aber sie können etwas anderes leisten, was mindestens genauso wichtig ist: Sie bringen Menschen zusammen, schaffen Aufmerksamkeit, sammeln Geld und sorgen dafür, dass ein Thema im Gespräch bleibt. Charity funktioniert für mich dann besonders gut, wenn sie nicht nur Geld einsammelt, sondern Menschen bewegt.

Aber reicht es, einmal im Oktober darüber zu sprechen?

Eigentlich nicht, denn Brustkrebs macht keinen Winterschlaf. Die rosa Schleifen verschwinden Ende Oktober wieder aus den Schaufenstern. Die Krankheit bleibt. Also: reden wir darüber!

Was können wir selbst tun?

Wir können nicht verhindern, dass Brustkrebs existiert. Aber wir können Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen. Das beginnt mit Aufmerksamkeit für den eigenen Körper. Es bedeutet, Veränderungen nicht einfach zu ignorieren. Es bedeutet, die empfohlenen Untersuchungen wahrzunehmen und bei persönlichen Risikofaktoren mit der Ärztin oder dem Arzt über ein individuelles Vorsorgeprogramm zu sprechen.

Und es bedeutet auch, nicht in Panik zu geraten, wenn man etwas Auffälliges entdeckt. Denn nicht jede Veränderung ist Krebs. Das weiß ich nun wirklich aus eigener Erfahrung. Aber jede ungewöhnliche Veränderung verdient es, ernst genommen und medizinisch abgeklärt zu werden.

Pink ist mehr als eine Farbe

Vielleicht ist das die Botschaft, die ich mir für den Pink October wünsche. Nicht noch mehr rosa Produkte. Nicht noch mehr rosa Schleifen, die nach vier Wochen wieder verschwinden. Sondern mehr Gespräche. Mehr Wissen. Mehr Vorsorge. Mehr Forschung und mehr Unterstützung für Frauen, die gerade mitten in einer Behandlung stecken.

Und vor allem: mehr Mut. Denn Krebs verändert das Leben. Das weiß ich, auch wenn ich selbst am Ende Glück hatte und meine Diagnose eine Fehldiagnose war. Ich habe erlebt, was sechs Wochen Angst mit einer jungen Mutter machen können. Ich habe erlebt, wie meine beste Freundin trotz einer palliativen Diagnose noch acht Jahre gelebt hat. Ich habe erlebt, wie viel Hoffnung moderne Medizin geben kann.

Und ich habe bei Benefizveranstaltungen wie dem Golfturnier im Montgomerie Golf Club oder dem Galaabend von Gulf for Good erlebt, wie viele Menschen bereit sind, sich für andere einzusetzen. Das macht mir Mut. Und ich möchte daran erinnern, dass wir etwas tun können.

Hinschauen. Vorsorgen. Fragen stellen. Sich untersuchen lassen.

Und wenn es tatsächlich eine Diagnose gibt: sich nicht vorschnell die Hoffnung nehmen lassen. Denn Medizin kann heute sehr viel mehr als noch vor wenigen Jahrzehnten. Und wer weiß, vielleicht steht die nächste große medizinische Entwicklung bereits vor der Tür. Bis dahin bleibt meine ganz persönliche Botschaft:

Nehmt euch selbst wichtig. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Denn wir haben schließlich noch viele Pläne.

Pink October
Sonja Ohly
Sonja ist die schreibende Nomadin und Chefin vom Dienst bei ohfamoos. Die begeisterte Taucherin ist auf der ganzen Welt unterwegs und beschreibt gerne als Reiseblogger ihre Destinationen. Ebenfalls großes Interesse zeigt sie für Politik und engagiert sich als PR Tante probono für eine Demokratische Bürgerliste und den Sportverein in ihrer Heimatkommune.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 30. Oktober 2026 veröffentlicht
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