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Interview mit einer Macherin von #Heimatland — 5 Kommentare

  1. Sehr gutes Interview! Ich denke das Fernsehteam hat einfach übersehen, dass ihre Dokumentation trotz längerer Recherchen einfach zu oberflächig geblieben ist. Dass die Spielplätze öfter leer sind und die Menschen sich weniger ehrenamtlich engagieren hat eher etwas damit zu tun, dass sich die Lebenswelten verändert haben (immer öfter arbeiten beide Eltern Vollzeit und die Kinder sind länger in der Schule), als dass kein Heimatgefühl mehr besteht.
    Was aus meiner Sicht vergessen wird ist die Tatsache, dass viele Menschen bewusst nach Köln ziehen, weil sie sich hier wohl und heimisch fühlen. Der Film sucht Beispiele für „Anywheres“, die es aufgrund von Globalisierung sicher mittlerweile überall gibt, die aber in Widdersdorf ganz klar nicht die Mehrheit stellen. Mein Mann und ich sind beide keine geborenen Kölner, wir leben mit unserer Familie aber seit 8 Jahren in Widdersdorf und kenne viele Menschen (uns eingeschlossen), für die die Wahl nicht nur auf Widdersdorf gefallen ist, weil es in unsere Lebensphase gerade gut passt, sondern auch weil man sich bewusst für Köln und auch bewusst für diesen schönen Randbezirk entschieden hat. Selbst nach Hürth zu ziehen kam für viele von uns nicht in Frage, weil Köln einfach sehr emotional besetzt ist, wir haben uns bewusst entschieden, unsere Kinder in Köln zur Welt zu bringen und hier auch in Kindergarten und Schule zu schicken, damit sie die kölsche Kultur und Lebensart kennenlernen.
    Um es mit den Paveiern zu sagen:
    „Heimat es jo nit bloß e Woot nur
    Heimat es, wo du nit abseits stehs
    Heimat es die Sprooch
    un sin die kölsche Leeder
    Heimat es do, wo de glöcklich bes“

  2. Danke für die unverblümten Fragen und auch für die Erlärungsversuche. Ich kann jedoch beim besten Willen nicht glauben, dass in 6 Monaten Recherche nur dieses gezeigte Bild hängen bleiben kann, wenn man es nicht vorab schon so im Kopf hat. Klischees sollten aufgebrochen und nicht unnötigerweise geschürt werden. Das ist für mich der kritischste Punkt der Reportage. Ich selbst bin seit einigen Jahren als eine von vielen mit anderen Neu- und Alt-Widdersdorfern im Austausch und teilweise ganz praktisch auf der Straße, in gemeinsamen Projekten für Schule und andere soziale Themen. Das hat mein Bild von meiner selbst gewählten neuen Heimat nachhaltig positiv geprägt. Nach meiner Erfahrung ist die Bereitschaft eher überdurchschnittlich groß, sich selbst einzubringen und etwas Gutes daraus zu machen. Mit ein bisschen Abstand betrachtet, glaube ich, dass der Beitrag zumindest insofern für die Entwicklung von Widdersdorf gut war, dass jetzt noch mehr mitmachen… Und dass soll jetzt mein letzter Kommentar in der online Welt gewesen sein. Lieber Ärmel hochkrempeln und weiter anpacken.

  3. Dass es zwischen „Alt“ und „Neu“, zwischen „Kölschen“ und „Immis“, zwischen den Generationen Unterschiede gibt, ist doch ganz selbstverständlich. Nicht alle müssen mit allen Karneval feiern. Aber dass es auch gemeinsame Aktivitäten und Interessen gibt, muss man eben auch zeigen: LöWi in erst groß geworden durch die Neu-Widdersdorfer. Im Zelt treffen „Alt“ und „Neu“ sich zu Karneval. Und in der Initiative „Widdersdorf hilft“ haben sich Ehrenamtliche aus ganz Widdersdorf engagiert. Hätte man die am Anfang im Foto gezeigte Familie, die 2015 unter den ersten Bewohnern der Sporthalle Im Kamp war, interviewt, dann hätte man die Geschichte einer erfolgreichen Integration in Widdersdorf hören können.
    Dass Heimat nicht für jeden dasselbe ist, ist doch völlig in Ordnung. Die wenigsten haben heute noch so einen engen Heimat-Begriff wie die Grillfreunde aus dem Film. Nicht für jeden ist Köln „dat Hätz vun dr Welt“. Wie in jeder Großstadt sind auch in Köln vermutlich längst die Immis in der Überzahl. Ich finde gut, dass Widdersdorfer sich für ein gutes (besseres?) Zusammenleben hier engagieren wollen. Aber Widdersdorf ist für mich nur mein Wohnort, meine Nachbarn sind meine Nachbarn und dass ich nicht mit allen mein Leben teile, finde ich ganz in Ordnung.

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