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Was macht Ihr eigentlich mit den Jungs? — 4 Kommentare

  1. Worauf will der Artikel hinaus? Offenbar bittet er um Verständnis für Verhaltenstendenzen, die im sportlichen Wettbewerb wunderbar ausgetobt werden können. Gibt es an den Schulen heute keinen Sportunterricht mehr? Ich bezweifle, dass die Unterrichtsmethoden von damals nur für Mädchen und nicht auch für Jungs schlechter waren als die von heute. Und was wäre für Lehrer ein optimaler Umgang mit den „Platzhirschen“ der Schule? Ist der dann auch optimal für jene MitschülerInnen, die unter dem Platzhirsch-Gehabe leiden? Was wären Jungs- und Mädels-freundliche Alternativen zum erwähnten Stuhlkreis?

  2. Hallo Jannechie, zuerst einmal: Danke, dass du Fragen stellst und mich aufforderst, meinen Standpunkt näher zu erklären. Ja, ich bitte auch um Verständnis für gewisses Verhalten. Und der Sportunterricht reicht bei Weitem nicht aus, um den Bewegungsdrang vieler Jungen und auch Mädchen zu befriedigen. Und die Unterrichtsmethoden aus den 1960er Jahren wünsche ich gar keinem Kind mehr. Die Aufgabe einer Lehrkraft sehe ich darin, den „Platzhirschen“ ruhig auch einmal zu lassen und die anderen darin zu stärken, damit umzugehen. Dazu sind unter Anderem Stuhlkreise gut geeignet. Und für Besprechungen und zur Findung von Konsensen. Ich plädiere allerdings für den Umgang mit Unterschieden, gegen Gleichmacherei anstelle von Gleichberechtigung.

    Gleichberechtigung fängt für mich dort an, wo wir unterschiedlich sein dürfen. Denn unterschiedlich zu sein macht unsere Welt bunt und vielfältig. Mir ist völlig egal ob ein Mann männlich, eine Frau weiblich oder transgender Menschen weder das eine noch das andere oder beides sind. Was ich aber weiß ist, das Frauen und Männer nicht nur durch ihre kulturell bedingte Erziehung unterschiedliches Verhalten und unterschiedliche Herangehensweisen an das Leben haben. Gestern, heute und morgen sicher auch noch. Lassen wir die rein biologischen Aspekte einmal außen vor, so denn noch Entwicklungsgeschichtlich so viele Unterschiede in den verschiedenen Geschlechtern manifestiert, dass es hier zu lang wäre, alle aufzuzählen.
    Ich bin Jahrgang 1960. Die spießigen, kleinkarierten 50er waren vorbei, die Welt voller Aufbruchstimmung. Frauen begannen, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln und als ich ein Teenager wurde war mir klar, ich wollte unbedingt Anteil haben, für die Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen zu kämpfen. Was ich schon damals nicht wollte war, ein besserer Mann zu sein oder Männer dafür zu unterdrücken, dass sie uns so lange klein gehalten haben.
    In all der Zeit war und bin ich eine überzeugte Feministin. Ich bin begeistert von dem Selbstverständnis, das junge Frauen heute haben. Das ist ein echter Fortschritt für mich.

    Ich weiß auch, dass es in jedem Menschen mal mehr mal weniger weibliche oder männliche Anteile gibt. Genauso wie jeder Mensch unterschiedlich ist, wir aber als Deutsche, Italiener, Russen, Amerikaner, Chinesen oder, oder, oder gewisse Gemeinsamkeiten haben.
    Ich glaube, dass Gleichberechtigung aus Verständnis erwächst. Wenn man den Anderen so sein lässt, wie er-sie-es-oder-was-auch-immer eben ist. Wenn man nach dem Wesen, dem Charakter entscheidet. Nach Befähigung und Qualifikation. Nicht nach Geschlecht.
    Ich für meinen Teil finde es schön, dass es die Unterschiede gibt. Und ich finde es großartig, das wir Frauen zu etwas fähig sind, dass niemand sonst kann: Leben in uns zu tragen! Allein das macht uns schon anders. Nicht besser, nur anders.

    Wenn wir gemeinsam darauf hinarbeiten, einander mit allen Unterschieden wahrzunehmen und uns auf die Unterschiede einlassen, sind wir auf einem guten Weg.
    Erlauben wir uns klischeehaft zu sein. Oder es zu lassen. Erlauben wir uns zu sein. Vor allem aber erlauben wir uns, artgerecht behandelt zu werden.

    • Hallo Michèle, danke für deine sehr ausführliche Antwort. Wie ich dich verstehe, siehst du an den Schulen von heute ein Problem, welches primär die männlichen Schüler betrifft. Diese sollten deines Erachtens von ihren Lehrern und Erziehern anders behandelt werden als weibliche Schüler, richtig? Als Beispiel für typisches Jungen-Verhalten nennst du Rangeleien und Schubsen. Was wäre da eine „artgerechte Behandlung“? Und worin unterscheidet sich diese davon, wie seitens der Lehrer auf schubsende, rangelnde Mädchen reagiert werden sollte?
      Du schreibst, Gleichberechtigung bedeutet für dich, unterschiedlich sein zu dürfen. Widersprichst du damit nicht deiner Forderung nach „artgerechter“ Behandlung? Oder meinst du mit „artgerecht“ eigentlich „individuell“? Wenn ja, dann können wir die Gender-Polarisierung beim Schulthema außen vor lassen …

  3. Liebe Jannechie,

    zuerst ja, ersetzen wir gerne „artgerecht“ durch individuell. Und ja, gerade Grundschulkinder sollten meines erachtens nach viel individueller behandelt werden, als es derzeit geschieht. Das mag den viel zu großen Klassen geschuldet sein oder dem System an sich. Und ich habe natürlich verallgemeinert und Gerangel und Geschubse als jungenhaft klassifiziert. Das sollten einfach Beispiele für das ausgeprägt körperliche Verhalten sein. Natürlich machen Mädchen das auch, aber eben weniger. Ich spreche immer allgemein und lasse Einzelfälle außen vor. Und nein, ich widerspreche mir ganz und gar nicht. Ich möchte, dass Jungen verständnisvoll behandelt werden, wenn es ihnen schwerfällt, still zu sitzen. Ich möchte, dass Mädchen verständnisvoll behandelt werden, wenn sie vorsichtiger an manche Dinge herangehen. Und ich möchte, dass wahrgenommen wird, dass Männer und Frauen eben nicht gleich sind. Wären sie es, hätte sich unsere Spezies, unsere Kultur ganz anders entwickelt.

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