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Ich habe keine Angst mehr vor Corona! — 6 Kommentare

  1. Angst ist immer ein schlechter Berater und Wegbegleiter. Aber Respekt sollte man vor Gegnern und Feinden schon haben. Und nichts anderes ist das Coronavirus für uns Menschen. Es bedroht uns in einer Art und Weise, die die Medizin bis dato noch nicht in Gänze verstanden und erforscht hat. Eines ist aber schon heute sicher: Es trifft nicht nur Alte und Kranke, sondern auch Junge, die nicht einmal eine Vorerkrankung haben (müssen).

    Und das weiß ich aus eigener Erfahrung. Mein Schwiegersohn (45 Jahre und kerngesund) und mein Enkel (9 Jahre und ebenfalls kerngesund) gehörten zu den ersten Patienten in Berlin. Der Krankheitsverlauf bei meinem Schwiegersohn war ausgesprochen heftig, bei meinem Enkelsohn relativ milde, der aber bis heute noch kurzatmig ist. Welche weiteren Folgeschäden noch auftauchen werden, kann niemand mit Bestimmtheit sagen.

    Darüber hinaus kennen meine Frau und ich weit über zehn Personen, die bereits an Covid-19 gestorben sind, darunter auch gesunde und junge Menschen.

    Dennoch haben meine Frau und ich keine Angst vor dem Virus. Aber wir nehmen es ernst, sehr ernst sogar. Ungeachtet dessen versuchen wir, uns langsam in eine neue Normalität (https://opas-blog.de/2020/05/17/ein-stueckchen-neue-normalitaet/https://opas-blog.de/2020/05/17/ein-stueckchen-neue-normalitaet/) vorzutasten. Dass die mit dem Leben vor Corona erst einmal nichts zu tun haben kann, versteht sich fast von selbst. Abstand wird noch eine ganze Weile die neue Nähe sein, jedenfalls so lange, bis es einen wirksamen Impfschutz gibt oder die sog. Herdenimmunität erreicht ist – wenn es denn überhaupt eine Immunität gegen das Virus gibt. Wie schmerzhaft das ganz real sein kann, haben meine Frau und ich gerade erst erlebt, als wir ihre Mutter in diesen Tagen zu Grabe getragen haben.

    Man kann das alles für übertrieben halten. Aber, das haben Virologen schon im Januar gesagt, das Schwierige daran, Maßnahmen in einer Pandemie zu vermitteln, ist, dass sie, zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt, immer übertrieben wirken. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

    • Ich verstehe Ihre Ansicht, denn Sie haben Ihre eigenen Erfahrungen gemacht. Auch sollte man besonders vorsichtig sein, wenn es Häufungen in der eigenen Familie gibt, das gilt auch bei anderen Krankheiten.

      Und natürlich trifft es auch junge und gesunde Menschen, aber eben nur in sehr seltenen Fällen, zumindest statistisch gesehen. Das ist im Übrigen auch z.B. bei der Grippe so. Laut dem Ärzteblatt sind 86% der Grippe-Todesfälle über 59 Jahre alt. Aber 14% eben auch nicht. Es ist alles eine Frage von Wahrscheinlichkeiten.

      Nun kann man sich darüber streiten, was der richtige Zeitpunkt ist und was die richtigen Maßnahmen. Ich habe die strengen Maßnahmen am Anfang durchaus begrüßt und sie waren mir fast noch zu zaghaft. Aber ich denke nun anders über das Virus. Nicht verstanden habe ich allerdings, dass die Hygienevorschriften stark angezogen wurden, als die Zahlen der Infizierten bereits seit 3 Wochen rückläufig waren. Man hätte das Gegenteil tun können. Natürlich in kleinen Schritten, um kein Risiko einzugehen.

      Wenn es keine Immunität gegen das Virus gibt, dann gibt es auch keinen Impfstoff, denn ein Impfstoff regt ja nur das Immunsystem an, sich zu immunisieren. Wie man dieses Dilemma auflösen will, ist mir ein großes Rätsel. Oder bleiben wir nun lieber für immer in Quarantäne, weil auch die Impfung keinen Schutz bietet? Oder weil das Impfrisiko größer ist, als der Nutzen?

      Jedenfalls ist der Optimalweg nicht automatisch der Weg der maximalen Sicherheit. Denn auch der richtet Schaden an.

      Aber ich verstehe ihre persönlichen Erfahrungen und auch dass ihre persönliche Einschätzung eine andere ist. Und es tut mir vor allem Dingen leid, dass Sie Todesfälle zu beklagen hatten. Am Anfang war meine Befürchtung, dass sehr viele von uns diese schmerzliche Erfahrung machen würden.

  2. Der entscheidende Satz in dem Artikel ist für mich: „Das ganze Miteinander kann nachhaltig gestört werden, wenn wir eine Atmosphäre der Angst aufrecht erhalten“. Einfach nur ganz herzlichen Dank für diesen großartigen Beitrag, lieber Peter Voss. Ich vermisse solche weitsichtigen, toleranten und durchdachten Texte vor allem in den sozialen Medien sehr. Weshalb ich mich auch vorübergehend aus der Community verabschiedet habe. Ich maße mir ebenfalls nicht an, zu wissen, wie sich die Sache entwickelt und wie „gefährlich“ das Virus denn nun wirklich ist. Wie könnte ich? Wissen, das haben die wenigsten. Denn es gibt viele offene Fragen, viele Unbekannte in der Corona-Geschichte. Leider mischen dafür im Diskurs gerade aber viele ordentlich mit, pochen auf ihre Ansichten, eben auch öffentlich, präsent und für meine Begriffe unangenehm autoritär. Andere Ansichten sehen und zulassen, womöglich respektieren? Fehlanzeige. Viel mehr wird die beschriebene „Atmosphäre der Angst“ aufrecht erhalten, mit Berichten über mögliche Schreckens-Szenarien oder bewusst ausgewählte tragische Verläufe von covid-19. Dieser Text hat so gar nichts von alldem. Und dafür möchte ich einfach danke sagen.

  3. Mein Liebelingssatz kommt ganz zum Schluss: „Ein Leben in kollektiver Angst oder nur noch mit Überwachung, Verbot von sozialen Kontakten und Desinfektionsmitteln kann keine Lebensperspektive sein, noch nicht einmal bei einem gefährlichen Virus.“ Jeder sollte also in meinen Augen seine Spielräume sozial nutzen. Ich bin überzeugt, dass das geht, wenn wir wollen. Ich habe Respekt vor denen, die sich stärker zurückziehen wollen oder müssen – jene können aber nicht von mir verlangen, dass ich genau dasselbe mache: Ich würde eingehen wie eine Primel. Und trotzdem kann ich Respekt vor dem Alter haben – für mich kein Widerspruch. So wie die ältere Generation Respekt vor der jüngeren haben sollte.

  4. Ich bin noch immer achtsam im Umgang mit anderen Menschen, vor allem mit den Risikogruppen. Ansonsten bin ich auch gegen Panik, auf jeden Fall. Aber doch sehr interessant wie sich langsam auch die Gedankenmuster ändern.
    Finde ich sehr beruhigend!

  5. Endlich mal ein Beitrag, der mit Zahlen spielt und dies Ergebnisse plausibel darstellt, einige Dinge kritisch sieht und trotzdem nicht uns Aluhut-Geschwafel abgleitet. Respekt dafür.

    Auch ich bin Risikopatient, bzw. habe Angst einer zu sein. Auch ich beruhige mich immer damit, dass ich die Zahlen in ein Verhältnis setze, was mich dann sehr beruhigt.

    Wir müssen und mussten auch nicht auf viel verzichten, auch nicht bei den starken Beschränkungen zu Beginn der Krise. Im Gegenteil, wir sind beide ins Homeoffice gegangen und dadurch motiviert viel mehr nach draußen in die Natur gegangen. Wir haben unsere Heimat als schönes Ausflugs- und Reiseziel wieder neu entdeckt.

    Ich kann Dir nicht in allen Dingen zustimmen, wäre ja auch langweilig. Maskenpflicht, Abstand halten, Hygiene halte ich weiter für gute Maßnahmen. Ich fände auch die Idee der App gut, wenn sie sauber (Datenschutz) umgesetzt ist und von der breiten Masse genutzt wird. Daran habe ich aber Zweifel, es werden nur wenige Menschen die App nutzen, irgendwas um 1-2 Millionen und das reicht nicht. Verbunden werden müsste das eh mit einer Massentestung um eine saubere Ausgangslage zu haben. Wenn das geschehen würde, könnte die App Sinn machen und das System funktionieren.

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