Vergleichen neu gedacht: Vom Konkurrenzkampf zur Inspiration

Der ständige Blick nach rechts und links

Vergleichen liegt in unserer Natur. Schon in frühen Zeiten war es überlebenswichtig zu wissen, wo man in der Gruppe steht. Heute vergleichen wir uns jedoch nicht mehr um das nackte Überleben, sondern um Status, Erfolg, Schönheit oder Glück. Spätestens seitdem die sozialen Medien agieren, hat sich dieses Bedürfnis noch verstärkt. Sonja findet das Thema extrem spannend und hat ein paar Fakten und Strategien zusammengetragen, wie man mit Vergleichen positiv umgehen kann.

Im Jahr 2017 habe ich mich schon darüber aufgeregt, dass Heidi Klum in ihrer Show Germanys Next Top Model über junge Frauen richtet, sie vergleicht – und die jungen Mädchen lassen das auch noch gerne über sich ergehen. Ein Jahr zuvor hatte ich mir auch schon zum Thema Unzufriedenheit Gedanken gemacht und bemängelt, dass Firmen, speziell in der Kosmetikindustrie, diese Unzufriedenheit für sich ausschöpfen. Vor ein paar Tagen habe ich dann zufällig einen interessanten Podcast (greatness together) zum Thema Vergleichen gehört, der mich inspirierte, diesen Artikel zu schreiben.

Warum vergleichen wir uns?

Psychologen haben herausgefunden, dass wir uns vergleichen, weil es tief in unserer Psyche und Evolution verankert ist. Zum Beispiel war es in früheren Zeiten wichtig zu wissen, wo man in der Gruppe steht. Wer stärker, schneller oder geschickter war, hatte bessere Chancen zum Überleben. Ein Vergleich half beim Einschätzen der eigenen Rolle und Überlebensfähigkeit.

Vergleiche helfen uns auch als sozialen Wesen unsere Zugehörigkeit abzuschätzen. Sie können von Nutzen sein uns zu verstehen: „Bin ich wie die anderen? Passe ich dazu?“ Das Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit treibt uns dazu.

Und natürlich nutzen wir andere als Maßstab, um unsere eigenen Fähigkeiten oder Fortschritte einzuschätzen. Ohne Vergleich wäre es schwer zu wissen, ob wir uns entwickeln oder „gut genug“ sind. Manchmal beflügelt uns der Vergleich: „Wenn die Person das geschafft hat, kann ich das auch!“ Vergleiche können uns antreiben oder aber auch belasten, wenn sie ins Negative kippen.

Der Knackpunkt ist: Vergleiche sind nicht grundsätzlich schlecht. Entscheidend ist, wie wir vergleichen. Ein „nach oben“ gerichteter Vergleich (jemand kann etwas besser) kann uns motivieren. Ein „nach unten“ gerichteter Vergleich (jemand hat weniger) kann trösten oder aber auch überheblich machen.

Warum zu viele Vergleiche schaden

Dauerhafte Vergleiche rauben uns Energie und können unser Selbstwertgefühl schwächen. Wir übersehen dabei leicht, dass wir nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben anderer sehen und meist nur den geschönten Moment. Spätestens seit der „Errungenschaft“ der sozialen Medien hat sich dieses Bedürfnis noch verstärkt: Ein kurzer Blick ins Handy und schon sehen wir das scheinbar perfekte Leben, makellose Körper und endlose Erfolge.

Das führt bei vielen Menschen zu:

  • Unzufriedenheit: Wer ständig nach oben schaut, hat das Gefühl, nie genug zu sein.
  • Stress und Druck: Vergleiche erzeugen Erwartungen, die oft unrealistisch sind.
  • Verzerrte Wahrnehmung: Wir sehen nur das, was andere zeigen wollen, nicht die Kämpfe dahinter.

Wenn wir vergleichen – worauf wir achten sollten

Natürlich können wir das Vergleichen nicht einfach abstellen, schließlich liegt es ja in unserer Natur. Aber wenn wir schon vergleichen, worauf sollten wir achten?

Ganz vermeiden können wir Vergleiche nicht. Aber wir können lernen, bewusster damit umzugehen:

  1. Bewusstheit schaffen: Schon das Erkennen, dass man sich gerade vergleicht, ist ein erster Schritt. Frag dich: „Hilft mir dieser Vergleich gerade oder zieht er mich runter?“
  2. Mit sich selbst vergleichen: Statt nach links und rechts zu schauen, frag dich: „Bin ich heute ein Stück weiter als gestern?“
  3. Inspiration statt Selbstkritik: Aufwärtsvergleiche können motivieren, wenn wir sie als Vorbild statt als Bedrohung sehen. Statt zu denken: „Die Person ist besser als ich“, könntest du denken: „Diese Person zeigt mir, was möglich ist und ich kann meinen eigenen Weg gehen.“ Betrachte andere eher als Inspiration statt Konkurrenz.
  4. Dankbarkeit üben: Ein kurzer Moment, um sich bewusst zu machen, was man schon hat, lenkt den Fokus zurück auf das Positive.
  5. Digitale Hygiene: Folge Menschen, die dich inspirieren – nicht denen, die dich ständig klein fühlen lassen. Soziale Medien sind ein Vergleichs-Turbo. Überlege: Wem folge ich? Was löst es in mir aus? – und sortiere konsequent aus, was dir nicht guttut.
  6. Selbstmitgefühl: Erinnere dich: Jeder Mensch hat Unsicherheiten, auch wenn er sie nicht zeigt.

3-Schritte-Ritual gegen ungesunde Vergleiche

  1. Stopp! Wahrnehmen
  • Atme tief durch und sag dir innerlich: „Ich vergleiche mich gerade.“
  • Allein das Erkennen nimmt dem Vergleich schon ein Stück Macht.
  1. Umlenken: Frage dich selbst
  • „Was sagt dieser Vergleich über meine Werte oder Wünsche?“
  • „Was brauche ich gerade wirklich: Anerkennung, Ruhe, Inspiration?“
  • „Hilft mir dieser Gedanke oder schwächt er mich?“

So verwandelst du den Vergleich in eine Information statt in eine Selbstkritik.

Fazit

Vergleiche sind menschlich, aber sie müssen uns nicht beherrschen. Indem wir sie bewusst wahrnehmen, unseren Fokus auf die eigene Entwicklung lenken und Dankbarkeit kultivieren, können wir gesünder mit ihnen umgehen. So bleibt der Blick nach links und rechts eine Orientierungshilfe und nicht ein ständiger Grund zur Selbstkritik. Vergleichen wird dann positiv, wenn es nicht zum Dauerurteil wird, sondern als Werkzeug dient, um zu lernen, zu wachsen und dankbar zu sein.

Ein berühmtes Zitat
Comparison is the thief of joy. („Vergleiche sind der Dieb der Freude.“)
Theodore Roosevelt
Sonja Ohly
Sonja Ohly
Sonja ist die schreibende Nomadin und Chefin vom Dienst bei ohfamoos. Die begeisterte Taucherin ist auf der ganzen Welt unterwegs und beschreibt gerne als Reiseblogger ihre Destinationen. Ebenfalls großes Interesse zeigt sie für Politik und engagiert sich als PR Tante probono für eine Demokratische Bürgerliste und den Sportverein in ihrer Heimatkommune.
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Dieser Beitrag wurde erstmals am 24. August 2025 veröffentlicht
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Ein Kommentar zu “Die Kunst des Vergleichens”

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