Mysore in Indien

Ein Tempel, ein alter Markt und ein eindrucksvolles Hotel

Es hat etwas Zeit in Anspruch genommen, doch nun folgt die Fortsetzung des Tagebuchs über die eindrucksvolle Reise von Berlin nach Indien und zurück. Eindrücke, die in keinem Reiseführer so stehen! Beim Zusammenstellen dieses Beitrags ist uns aufgefallen, dass Volker und Fritz beeindruckende 7.710 Kilometer durch den Iran zurückgelegt haben. Ihre Schilderungen dieses Landes sind gerade jetzt besonders spannend. Immer wieder hebt Volker die „überdurchschnittliche Gastfreundschaft“ im Iran hervor. Neugierig? Dann lest gerne selbst. Die entsprechenden Links hat Euch Sonja am Ende des Beitrags rausgesucht.

Im heutigen Abschnitt berichtet Volker jedoch von seinem Aufenthalt in Mysore. Neben Begegnungen mit Tigern, Affen und Elefanten beschreibt er auch die wichtigsten Gottheiten, die auf dem Turm des Durga-Tempels dargestellt sind.

Indien

Mysore, 11. Januar 2005

Viel langsamer als erwartet rollen wir über eine schlechte Straße Richtung Norden. Die Landschaft versöhnt uns mit den zahlreichen Schlaglöchern: wir sehen auch heute wieder Teeplantagen (die Arbeiterinnen mit den bunten Saris erinnern an die Frauen in den Reisfeldern), durchqueren regelrechte „Banyan-Tunnel“, passieren uralte Eukalypten (die ihren Duft verströmen), fangen ab und zu munteres Vogelgezwitscher auf, sehen riesige Termitenhügel inmitten von Bambuswäldern und passieren eine Forschungsanstalt für Schafzucht. Wie immer in der Nähe einer hill station wimmelt die Gegend auch hier von Affen.

An einer besonders schönen Stelle machen wir einen kleinen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, wo wir einen herrlichen Rundblick über das grüne Land genießen. Anschließend bessert sich die Straße, und wir haben die Hoffnung, heute doch noch bis nach Mysore zu gelangen. Ab und zu passieren wir eine Dorfschule, deren Kinder (bekleidet mit rot-blauen Uniformen) uns begeistert zuwinken. Vorbei an Kokosnuss-Verkäufern (offensive Angebotsstrategie, d.h. sie stehen halb auf der Fernverkehrsstraße und wedeln mit den Armen) gelangen wir in zwei ausgedehnte Nationalparks und sehen sogar einen jungen Mahut mit seinem Elefanten beim Durchqueren einer Furt. Ferner begegnen uns zahlreiche Rehe und Wildschweine.

Nach einiger Zeit verlassen wir Tamil Nadu und sind wieder in Karnathaka, dessen schöne Hauptstadt Mysore zwei Tage lang unser Quartier sein wird.

Turm
Durga-Tempel Sri Chamundesvari

Mysore, 12. Januar 2005

Heute Vormittag vertrauen wir uns zwei Rikschafahrern (Brüder) an, die uns für 200 Rupien ein reizvolles Angebot machen. Zunächst besuchen wir den Sri Chamundi-Berg, auf dem sich der große Durga-Tempel Sri Chamundesvari befindet, dessen 40m hoher Turm nach südindischer Art mit einer Fülle farbiger Skulpturen geschmückt ist. Auf einer Terrasse am Hang (300 Stufen von insgesamt 1000) steht eine monumentale Stierfigur aus einem Granitblock. Dies ist der Anlass, einiges über die indischen Hauptgötter zu erfahren:

(1) Brahmas „Fahrzeug“ ist der Schwan, seine Funktion ist die des Schöpfers (creator), seine Ehefrau ist Sarswathi, zuständig für Erziehung und Bildung.

(2) Vishnus „Fahrzeug“ ist der Adler (garuda), seine Funktion ist die des irdischen Lenkers (operator), seine Ehefrau ist Lakhsmi, zuständig für materiellen Wohlstand.

(3) Shivas
„Fahrzeug“ ist der Stier, seine Funktion ist die des Zerstörers (destroyer), seine Ehefrau ist Parvathy, zuständig für Macht.

Vom Berg aus haben wir einen prächtigen Blick auf die Stadt, in deren Mitte sich die ausgedehnte Palastanlage befindet. Ebenfalls gut zu sehen ist das Nobelhotel von Mysore, Lalitha Mahal, ein umgebauter Herrensitz, in dem die preiswerteste Übernachtung 140 US-Dollar kostet. Umso bemerkenswerter die Erlaubnis zur kostenlosen Benutzung der Waschräume!

Indisches Hotel
Indien

Auf der Rückfahrt besuchen wir einen Seidenwaren-Handel, wo sich Ilse und Birgid nach langen Preisverhandlungen schöne Tücher in guter Qualität kaufen. Anschließend schlendern wir über den alten Markt mit baufälligen Häusern und improvisierten Verkaufsständen, wo ziemlich alles (außer Obst und Gemüse) feilgeboten wird. Richtig begeistert sind wir vom Devarajah-Markt, in dem Unmengen von Bananen, Zuckerrohr, Ananas, Papayas sowie tropisches Gemüse Hunderte von Metern lang das Auge erfreuen. Wir probieren köstlich schmeckende Mangos und kaufen süße Mini-Bananen. In einer anderen Ecke gibt es Sandelholz-Produkte zu betrachten und Duftöle zu schnuppern, u.a. Jasmin und Moschus. Auf der Fahrt zum Palast passieren wir die Pferderennbahn und erfahren, dass Mysore der Geburtsort des horse racing unter britischer Indien-Herrschaft war. Traurige Nachbarschaft: gegenüber der Rennbahn liegt ein stiller See mit dem makaberen Namen Suicide Lake, offenbar selbstgewähltes Grab für gescheiterte Existenzen, die beim Pferdetoto ihr letztes Hemd verwettet haben.

Architektonischer Höhepunkt und illuminiertes Glanzlicht am Abend ist der Mysore-Palast (Amba Vilas), erbaut 1897-1912, mit 6 Eingangstoren und einer Länge von 74 m, einer Breite von 47 m, einer Höhe von 44 m. Das ausladende Gebäude, dessen Inneres wir barfüßig mit großem Staunen bewundern (islamische und hinduistische Elemente), erbaut vom Engländer Henry Irwin, beinhaltet u.a. einen 80 kg schweren Elefantensitz aus purem Gold und viele andere Kostbarkeiten. Am besten gefallen uns die prunkvoll geschmückten Innenhöfe mit den hohen Decken und dunkelgrünen Säulen. Ferner gibt es kunstvolle Kristall-Lüster aus böhmischem Glas, belgische Glasmosaike in der Kuppel und englische Bodenfliesen mit Pfauenmotiven sowie schwere silberne und kristallene Stühle, außerdem weißen Marmor, der im Mogulstil mit Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen verziert ist.

Hier sind die Kapitel über die Reise durch den Iran

  1. Tagebucheintrag: Durch den Norden des Iran
  2.  Tagebucheintrag: Von Qom nach Yazd

und hier ist der dritte Eintrag…

Iran: Kerman, Bam und Zahedan

Prof. Dr. Volker Raddatz ist emeritierter Professor für Fachdidaktik Englisch an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er zählt zu den prägenden Stimmen der deutschen Fremdsprachendidaktik und hat sich über Jahrzehnte hinweg für die Verbindung von Theorie und Praxis im Englischunterricht eingesetzt.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen im interkulturellen Lernen, in der postkolonialen Literatur- und Kulturvermittlung sowie in English for Specific Purposes (ESP). Dabei legte er großen Wert auf einen Unterricht, der sprachliche, kulturelle und gesellschaftliche Aspekte miteinander verknüpft.

Raddatz veröffentlichte zahlreiche Fachbeiträge und war Herausgeber wissenschaftlicher Sammelbände, darunter Innovationen im Fremdsprachenunterricht (Band 1: Offene Formen und Frühbeginn). Neben seiner akademischen Tätigkeit engagierte er sich in der Lehrerbildung und in internationalen Projekten zum Fremdsprachenlernen.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 4. April 2026 veröffentlicht
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