Da müsste man mal...
Meckern kann jeder
Es gibt einen Satz, den Sonja inzwischen nicht mehr hören kann: „Da müsste man mal …“Da müsste man mal etwas für das Waldschwimmbad tun. Da müsste man mal den Verein unterstützen. Da müsste man mal etwas für die Stadt machen. Da müsste man mal die Menschen zusammenbringen. Ja, müsste man. Aber wer ist eigentlich dieser „man“?
Ich habe diesen ‚man‘ jedenfalls noch nicht gefunden und deshalb vor einigen Jahren beschlossen, selbst mit zumischen. Ich kann ganz gut schreiben und habe lange im Marketing gearbeitet. Und so bin ich bei gleich drei Vereinen gelandet: beim Licher Waldschwimmbad, beim TV 1860 Lich und bei der Demokratischen Bürgerliste Lich.
Nicht, weil ich zu viel Zeit habe. Im Gegenteil, manchmal frage ich mich selbst, warum ich mir das eigentlich antue. Denn Vereinsarbeit und Bürgerengagement bedeuten vor allem eines: Zeit, Geduld und die Bereitschaft, sich einzumischen. Und manchmal auch WhatsApp-Nachrichten zu Uhrzeiten, zu denen normale Menschen längst schlafen. In Dubai zu leben ist da ebenfalls nicht sehr hilfreich, wenn es drei Stunden Zeitunterschied gibt. 😉
Aber wenn ich merke, dass mir etwas wichtig ist, kann ich nicht immer darauf warten, dass jemand anderes es richtet. Außerdem gibt es mir eine Zufriedenheit, zu sehen, dass ich in der Gemeinschaft etwas bewegen kann. Ich habe ja schon über Ikigai geschrieben. In Japan bedeutet das Wort „Iki“ Leben und „gai“ Grund. Man könnte Ikigai also so übersetzen: Das, wofür es sich zu leben lohnt.
Wenn im Sommer die Sonne scheint und Kinder ins Wasser springen, sieht niemand die Menschen, die vorher Zäune repariert, Wege hergerichtet, Toiletten renoviert, Probleme gelöst und sich Gedanken darüber gemacht haben, wie das Licher Waldschwimmbad überhaupt erhalten werden kann.
Wenn beim TV 1860 Lich eine neue Halle entsteht oder ein Vereinsfest funktioniert, sieht man am Ende nur das Ergebnis. Und wenn in der Kommunalpolitik über Straßen, Sportstätten oder die Entwicklung unserer Stadt diskutiert wird, geht es ebenfalls um etwas ganz Konkretes: darum, wie wir leben wollen.
Eine funktionierende Gemeinschaft fällt nicht vom Himmel.
Eine Gemeinschaft entsteht nur, weil Menschen sich kümmern. Und genau da liegt für mich der Unterschied zwischen Meckern und Mitmachen. Meckern ist leicht. Da kann jeder Experte sein. Man kann wunderbar erklären, was alles falsch läuft und was „die“ endlich tun müssten.
Deshalb fragen wir von ohoo nicht nur, s.o., wer ist „man“, sondern ebenso: Wer sind eigentlich „die“? Die Stadt? Die Vereine? Die Vorstände? Die Politik? Die anderen?
Ich glaube, wir sollten uns öfter selbst fragen:
Das muss kein Vorstandsposten sein. Man muss auch nicht gleich sein halbes Leben opfern. Manchmal reicht eine Stunde beim Vereinsfest, ein Kuchen, eine Idee, ein Telefonat oder einfach die Bereitschaft, dort mit anzupacken, wo gerade jemand gebraucht wird.
Wir dürfen anfangen
Ich habe durch mein Engagement vor allem eines gelernt: Man muss nicht alles können. Aber wir dürfen anfangen!
Ein Sportverein ist nicht nur: „Ich zahle meinen Mitgliedsbeitrag und gehe zum Sport.“
Dahinter stehen Trainer, Vorstand, Helfer, Organisatoren, Hallenwarte, Eltern, Kuchenbäcker, Menschen, die Veranstaltungen organisieren, Pressearbeit machen oder sich um tausend Kleinigkeiten kümmern.
So durfte meine Schwester für eine Stunde Kamerafrau sein. Als wir letzte Woche beim Basketballspiel meines Neffen waren, bekam der Kameramann einen Notruf und musste dringend weg. Er fragte meine Schwester, die seit Jahren eine Basketball-Mama ist, ob sie übernehmen würde. Sie hätte nie daran gedacht Nein zu sagen.
Oder Brigitte Freitag, die seit vielen Jahren die 1. Vorsitzenden des TV 1860 Lich ist und vor kurzem für ihre 60-jährige Mitgliedschaft im TV 1860 Lich geehrt wurde. Sie macht diesen Job ehrenamtlich und sucht gerade händeringend Unterstützung für die Übungsleiter und Übungsleiterinnen.
Uwe Port aus dem Vorstand des Licher Waldschwimmbades erzählt: „Wir haben über 2000 Mitglieder, aber es sind immer wieder die gleichen Leute, die regelmässig helfen und sich im Verein einbringen.“
Vereinsarbeit ist ein bisschen wie ein Kühlschrank.
Solange er funktioniert, denkt keiner darüber nach. Erst wenn er kaputt ist, merkt man, wie wichtig er war.
Genau so ist es auch mit Vereinen. Solange das Schwimmbad geöffnet ist, die Kinder Fußball spielen, die Turnhalle funktioniert, das Vereinsfest stattfindet und jemand sich um die Organisation kümmert, nehmen wir das alles als ziemlich selbstverständlich hin.
Bis plötzlich keiner mehr da ist, der es macht!
#Reden wir darüber
Und hier sind noch mehr ohfamoose Beispiele, wie man mitmischen kann: